Spurensuche im Bundesarchiv Koblenz

  • Das Ding gab es tatsächlich. Ich weiß aktuell nicht, ob es bei Steinmetz als Bild vorkommt. Ich suche mal in meiner Bibliothek...

    Was den Erlass angeht, habe ich nochmal eine Suchanfrage ans Archiv in Koblenz geschickt.

    Dann sollten alle Fakten da sei...

    Schönen Abend noch!

    Flo

  • Nein - es gibt keine Bilder.

    Aber Steinmetz erwähnt es auf Seite 74 als "Stirndoppeljoch". Zitat: "Wir wollen mit Freude feststellen, daß es verschwunden ist. Er erübrigt sich daher weiter darauf einzugehen."

  • ...auch wieder richtig.

    Ich glaube, ich habe gerade meine Meinung geändert.

    Schönen Nachmittag noch!


    P.S.: Warte noch auf eine zweite Antwort aus dem Bundesarchiv...

  • Ein kleiner Anhang zum Thema:


    Das Genickdoppeljoch ist von seinem Gebrauch her dem Stirndoppeljoch ähnlich. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das eine hinter dem Kopf im Genickbereich auflegt und das andere an der Stirn des Rindes, so dass das Rind in diesem Fall die Last nicht zieht, sondern vor sich herschiebt. Beide Anspannungsarten machen den Rindern die freie Bewegung des Kopfes unmöglich, was bei der sommerlichen Insektenplage für die Tiere sehr unangenehm ist. Wenn die Rinder ungleich groß sind – ein Zentimeter mehr oder weniger spielt bereits eine Rolle – oder sie einen Hang entlanglaufen müssen, sind sie gezwungen, Kopf und Hals unnatürlich zu verdrehen. Weiterhin übertragen sich alle Erschütterungen des Wagens über die Deichsel und den Jochbaum auf die Köpfe der Tiere. Durch die niedrige Kopfhaltung müssen die Tiere dauernd den Straßenstaub einatmen und der unfreie Gang unter dem Doppeljoch ermüdet die Tiere frühzeitig. Weitere Nachteile des Stirndoppeljoches sind, dass die kleine Auflagefläche auf der Stirn Scheuerwunden, Druckstellen, Blutansammlungen im Gehirn und bei schwerem Zug Schwindelanfälle verursacht11.

    Trotz aller Nachteile und Verbote hielt sich das Stirndoppeljoch jedoch bis zum Aufkommen der Traktoren.

    11 Drawer 1959, 56.



    Ein Vorteil des Doppeljoches ist, dass es in gebirgigen Gegenden, auf schmalen Wegen und in steilen Hohlwegen ein sicheres Fahren und Wenden, schnelles Anhalten und Anziehen erlaubt und deshalb oft Unfälle verhüten konnte. Außerdem ermöglicht es ein leichteres Anlernen des Jungrindes8.



    .....

    8 Trotz dieser Vor(ur)teile gab es immer wieder Verbote des Doppeljochs, da es Tierquälerei ist.

    1934 wurde es durch den Badischen Reichminister des Inneren, 1952 durch das Badische Innenministerium verboten und 1955
    gab es eine Empfehlung des Deutschen Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaf und Forsten gegen das Doppeljoch


    Drawer 1959, 51.


    aus:

    academia.edu/6332237/Langsam_schleicht_der_Ochse_flotter_geht_das_Pferd_Über_Anspannung_und_Geschwindigkeit_von_Rindern_und_Equiden?email_work_card=title


    Seite 6, unten rechts.



  • so dass das Rind in diesem Fall die Last nicht zieht, sondern vor sich herschiebt.

    das funktioniert eigentlich bei beiden Jocharten so ;-)

    sie schieben die Last, man nutzt also die Muskelgruppen, die sie so sonst gern bei Rangkämpfen einsetzen


    und DIE Frage die ich mir immer wieder bei Erwähnung des Stirnjochs stelle:

    warum haben/finden wir tausende von Genickjochs aber nicht ein Stirnjoch? von der Tatsache daß es die gegeben hat bin ich erst überzeugt wenn ich eins in Realität seh, nicht nur als (theoretische) Zeichnung

    "Aber ich kann nicht so tun, als wüsste ich nicht von dem Leid der Menschen, die hier Zuflucht suchen." Sarah Connor, 15.10.2015


    "Wenn ein Fremdling bei Euch wohnt in Eurem Lande, den sollt Ihr nicht bedrücken. Er soll bei Euch wohnen wie ein Einheimischer unter Euch, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst." 3.Buch Mose

  • sie schieben die Last, man nutzt also die Muskelgruppen, die sie so sonst gern bei Rangkämpfen einsetzen

    Quasi wie auch beim "Stirnjoch /=> Einzelstirnjoch".


    und DIE Frage die ich mir immer wieder bei Erwähnung des Stirnjochs stelle:

    warum haben/finden wir tausende von Genickjochs aber nicht ein Stirnjoch?

    Das ist zwar eine sehr gute und interessante Frage-, darum ging es mir beim Einstellen des Textes aber nicht - mehr um die Verweise auf die Verbote durch:


    - 1934 den Badischen Reichminister des Inneren,

    - 1952 das Badische Innenministerium.

  • wenn in den Verordnungen dort die Rede vom Stirnjoch ist, kann es sein, daß die damaligen Beamten und Politiker genauso schlau waren wie heutzutage?

    (Vorsicht - eine kleine Portion Sarkasmus)

    "Aber ich kann nicht so tun, als wüsste ich nicht von dem Leid der Menschen, die hier Zuflucht suchen." Sarah Connor, 15.10.2015


    "Wenn ein Fremdling bei Euch wohnt in Eurem Lande, den sollt Ihr nicht bedrücken. Er soll bei Euch wohnen wie ein Einheimischer unter Euch, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst." 3.Buch Mose

  • Hallo in die Runde!


    Zwei Sachen:

    1. Warum wir keine Doppel-Stirnjoche mehr finden könnte einfach daran liegen, dass es keine mehr gibt. Schon Steinmetz schreibt, dass sie zu seiner Zeit "praktisch verschwunden waren". Die restlichen werden wohl irgendwann ihren Weg in den Kachelofen gefunden haben. Wer weiß!

    2. Die Sache mit der Begrifflichkeit. In allen Dokumenten, die ich bisher als Kopie bekommen habe, steht schlicht "Doppeljoch". Nichts weiter. Wenn ich eine Analogie bemühe, könnte ich sagen: Alle Kfz sind ab morgen verboten. Das würde heißen: Mofas, Mopeds, Fahrräder mit Hilfsmotor, Autos, Lkw, Traktoren und so weiter... Ich gehe - auch aufgrund verschiedener landwirtschaftllicher Bücher dieser Zeit - davon aus, dass einfach ALLE Doppeljoche damit gemeint waren.

    Ihr dürft mich gerne eines Besseren belehren.


    Schönes Wochenende erstmal!

    Der Flo

    Edited once, last by Flo ().

  • Ach, nee. Klar.

    Im Prinzip kann ich natürlich ALLES durch den Kamin jagen.

    Aber im Ernst: Wenn die Dinger vielleicht einfach nicht das Gelbe vom Ei waren - warum sollten die noch da sein, wenn sie 1930 schon nicht mehr existent waren?

    Beispiel Göpel: In unserem Dorf gab es in fast jedem größeren Hof einen Göpel. Sieht man heute noch an den Scheunenquerschnitten, den Transmissionen oder den Bauplänen. Aber - du findest keinen mehr. Keinen einzigen bei 20 Höfen, die einen hatten.

    Warum?

    1920 kam der Strom ins Dorf und keiner hatte mehr den Nerv, Tiere im Kreis herum zu treiben.

    Es gibt anscheinend Techniken, die irgendwann obsolet werden - ob das sinnvoll ist oder nicht, möchte ich nicht beurteilen müssen.

    Ich frage mich immer wieder, warum wir auf diesem Thema in Richtung "Aber-das-Ding-ist-doch-ganz-toll-und-warum-sollen-wir-es-nicht-benutzen-wenn-es-denn-schon-mal-verboten-war" herumreiten, wenn es einfach viele gute Gründe gibt, ein Doppeljoch NICHT zu nutzen. Ich habe versucht das darzulegen.

    Genauso könnte ich Pferde auch wieder im Doppeljoch anspannen - wie im Ägypten des Altertums. Oder Kinder verprügeln - war ja auch mal erlaubt.

    Gestattet mir den Zynismus.

    Ich habe es schon einmal geschrieben: Ich weiß nicht, was ihr mit euren Tieren so macht, welche Höhenunterschiede ihr in euren Betrieben habt oder welche Geräte ihr ernsthaft benutzt. Deshalb will ich keine letztgültige Meinung abgeben, weil es die einfach nicht gibt.

    Das Stirnjoch (bei uns Stirnblatt) oder Kummet ist eine wirklich gute Sache. Ich benutze jetzt seit zwölf Jahren das verpönte Dreipolster-Kummet und hatte nie irgendein Problem.

    Schönen Abend euch!

    Der Flo

  • Göpel?

    findest Du noch überall, wenn Du suchst, allein hier bei uns gibt es einen Landwirt der hat 3 verschiedene

    da geht es (wie bei den Anspannungen) gar nicht so sehr drum, die jeden Tag zu benutzen; es geht darum, sie zu erhalten, sie zu verstehen, ihre Vor- und Nachteile zu eruieren, das was halt damals keiner aufgeschrieben hat, weil es so offensichtlich und selbstverständlich war


    Stirnjoch speziell:

    ich hab derzeit nicht ein Tier, was auch nur mit dem Einzeljoch gefahren werden könnte - aus den verschiedensten Gründen

    trotzdem würde ich gern wissen, wie das mit einem Doppelstirnjoch hätte funktionieren sollen/können

    Hintergrundgedanken dazu:

    das Einzelstirnjoch wird relativ locker am Tier befestigt, eigentlich ja nur 2 schmale Lederriemen an den Hörnern

    es fällt "von selber" in die richtige Position unter Belastung, das Tier muß dann eigenständig nach dem passenden Zugpunkt suchen; ein Stirnjoch gewohntes findet ihn auf Anhieb, ein neues in dieser Anspannung nicht, das sieht man zB. beim Arbeiten

    das stell ich mir außerordentlich schwierig vor bei einem doppelten Stirnjoch (Gewicht, Hebelwirkung, 1 Strang? 4 Stränge? ... ), allein schon das "in den Zug" gehen ...


    kannst Du jetzt mein Interesse besser verstehen, Flo?

    "Aber-das-Ding-ist-doch-ganz-toll-und-warum-sollen-wir-es-nicht-benutzen-wenn-es-denn-schon-mal-verboten-war"

    damit hat's erst mal nix zu tun

    "Aber ich kann nicht so tun, als wüsste ich nicht von dem Leid der Menschen, die hier Zuflucht suchen." Sarah Connor, 15.10.2015


    "Wenn ein Fremdling bei Euch wohnt in Eurem Lande, den sollt Ihr nicht bedrücken. Er soll bei Euch wohnen wie ein Einheimischer unter Euch, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst." 3.Buch Mose

  • Ja - das kann ich freilich verstehen.


    Was Göpel angeht, kann ich mich erinnern, dass ich in Norddeutschland sehr viel mehr von ihnen gesehen habe. Bei uns in Oberfranken sind die Scheunen praktisch göpel-frei. Schade.


    Schönen Abend noch!


    Der Flo

  • Bei uns in Oberfranken sind die Scheunen praktisch göpel-frei.

    Ich habe hier auch noch nirgends einen gesehen und auch keine entsprechend baulichen Gegebenheiten an / in Scheunen etc.

    Allerdings waren - bis auf die Gutshöfe, die landwirtschaftlichen Betriebe auch nicht so groß. Anders etwas weiter in der goldenen Wetterau. Auch auf der Staatsdomäne Baiersöder Hof, wo i.d.R. alljährlich im Hochsommer eine recht große Veranstaltung zur historischen Landwirtschaft stattfindet, konnte ich bisher keine derartige Technik einvernehmen. Vielleicht ist es in der Tat so, daß in manchen Gegenden der Übergang vom Flegeldrusch zum Dreschen mit größeren, kraftangetriebenen (Dampfmaschine) Dreschmaschinen "ohne" den Göpel stattgefunden hat.


    Aber wir schweifen weit vom eigentlichen Thema ab :/ :(

  • Wohl wahr, wohl wahr...


    Ich habe nochwas für die Freunde des Doppeljochs gefunden. NOCH DAZU IN MEINER BIBLIOTHEK...


    Drawer, Klaus, Dr. med.vet.: Anspannung und Beschirrung der Haustiere. DLG-Verlag, Frankfurt (Main). 1959.


    "(...) In Deutschland sind gegenwärtig als einzige Doppeljochform noch einige Hundert Genickdoppeljoche (...) in Gebrauch, (...). Der Kampf um das Verbot des Genickdoppeljochs in Deutschland hat bereits eine längere Vorgeschichte." (S. 50)


    An dieser Stelle folgen das Rundschreiben des Reichinnenministeriums, dann der Runderlass, der das ganze temporär außer Kraft setzt und zu guter letzt die Rundverfügung der Badischen Regierung, die die Aufhebung wieder aufhob...


    Der Autor weiter:

    "Der vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (...) verfügte Runderlaß (...), konnte nur eine Empfehlung an die Bundesländer darstellen, da die Tierschutzregelung (...) auf Länderebene erfolgt. (...) Solange das Verbot des Doppeljochs in Deutschland nicht Gesetzeskraft erlangt, wird es wahrscheinlich auch in Zukunft verwendet werden." (S.51)


    q.e.d.


    Schönen Tag euch allen!


    Flo

  • Hallo und guten Morgen!

    Mögen würde ich schon - nur komme ich eigentlich vom Hof nicht weg... Wenn dir die zwei zitierten Seiten reichen, scanne ich sie mal ein:

    Schönen Tag erstmal!


    Der Flo