Problem mit Zugochsen, der auf Bulle macht

  • Hallo Zugrindermenschen,

    ich brauche mal wieder eure Erfahrung. Es geht um meinen Steppenrinderochsen Max und sein schlechtes Verhalten in den letzten zwei Wochen.

    Ich muss jetzt einen halben Roman schreiben um die Situation aus verschiedenen Richtungen zu beleuchten.

    Meine Ochsen Max und Milan sind jetzt etwas über drei Jahre alt und im alter von drei Monaten mit dem Gummi kastriert worden. Falls Bullenkälber in der Lage sind ihre Hoden in den Bauchraum hochzuziehen, so war das nicht der Fall. Bei beiden Ochsen fühlt sich der ehemalige Hodenbereich gleich an und weich. Vom Körperbau ist Max viel stämmiger als Milan, in allem. Aber das war seine Mutter im Vergleich zu Milans auch.

    Sie sind jetzt gut trainiert, laufen vor der Kutsche auch auf Hauptverkehrsstrassen und eigentlich so weit, dass ich diesen Sommer meine Reise mit ihnen vortsetzten will. Eigentlich.


    Sie sind diesen Winter, wie die letzten drei auch, zusammen mit zwei Rindern (5 und 4 Jahre alt). Sie haben einen Offenstall und einen Paddock. Die letzten zwei Winter noch mit Lothar war alles ruhig, denn er war unbestrittener Chef. Jetzt ohne Lothar kam über den ganzen Winter keine klare Rangfolge auf und es gab keine Woche ohne deren Änderung und zT. erbitterte Kämpfe darum. Mal waren die Rinder Chefs, zwei Tage später wieder Max mit Milan. In ihrer eigenen Rangfolge untereinander, war die ersten eineinhalb Jahre ihres Lebens Milan der Chef, seitdem aber Max.

    Im Februar war eines der Rinder mal wieder verletzt und das hat den Ausschlag gegeben, doch endlich die zwei Gruppen zu trennen. Sie haben aber eine gemeinsame Zaunseite. Das geschah sehr zum Missfallen von Max der sehr gewütet hat in seinem neuen Paddock.

    Seitdem macht Max wenn er einen Menschen sieht (der nicht gerade mit der Heuschubkarre kommt) total auf Bulle. Gräbt mit den Vorderbeinen und den Hörnern in der Erde und brummt sein Bullenbrüllen.

    Letzte Woche, als ich zwei Tage bei ihnen war um die Klauen zu schneiden, hat Max dies auch mir gegenüber gemacht und das hat schon eine krasse Wirkung. Ich hab dann erstmal Milan ans Halfter und angebunden und dann nach ein bisschen Mühe, auch Max. Nach diesem Verhalten bin ich erstmal mit ihnen laufen gegangen. Das war erstmal sehr spannend, weil beide viel hinter mir gesprungen und gebuckelt sind, aber es war nie gefährlich für mich oder ging gegen mich. Es war einfach das weider draussen zu sein nach mehrmonatiger Pause. Max wollte immer vor Milan sein, bis er - als eigentlich viel fauleres Tier- dann doch wieder Milan die Führung überlies. Danach konnte ich auch problemlos die Klauen von ihnen machen.

    Am zweiten Tag gab es kein Bullenbrüllen mehr, ich konnte einfach aufhalftern und gemütlich laufen. Beide viel gleichauf.

    Zwei Tage danach (ich wieder nicht dabei) wurde leider eines der Rindern stierig. Da haben Max und Milan alle Zäune eingerissen und das Rind, welches nicht stierig war brutal von der anderen getrennt. Sie wieder in ihren Bereich zurückzubringen war eine gefährliche Angelegenheit für die Frau die sie versorgt.


    Jetzt eben meine Frage: Woran liegt das?


    Ich habe schon gemerkt als ich bei ihnen war, dass die beiden -die Frau, die sie versorgt nennt sie nur mehr: Steppenkrieger, in ihrem Kopf und Augen total auf Rangfolgekämpfe sind.

    Ich nehme an, dass das einfach davon kommt, dass die drei Monate am Stück tagtäglich damit konfrontiert waren.

    Oder liegt es am Alter?

    Oder gibt es bei mit Gummi kastrierten Ochsen auch die - ich kenne den Fachausdruck nicht- halben Bullen sind? Angeblich ist nur Max so drauf und Milan macht halt aus Freundschaft mit wenn er Lust hat.

    Lässt sich das irgendwie feststellen?

    Was kann ich tun?

    Leider bin ich noch für drei Wochen am arbeiten und kann mich nicht selber um sie kümmern, hab jetzt aber schon Angst dass doch mal was passiert.


    Liebe Grüsse

    Eva

  • Jetzt eben meine Frage: Woran liegt das?

    ich sag immer wir kastrieren nicht den Kopf;

    meine Ochsen wissen immer sehr genau wer wann rindert, trächtig ist oder auch nicht und sie zeigen das volle Programm, mit Sicherheit nicht so ernsthaft wie ein Bulle aber doch so, daß ich weiß, sie wissen wovon sie reden

    Kryptorchiden - nachweis beim Rind? Ultraschall fällt mir zuerst ein ...

    Muchsen? warst Du beim Kastrieren dabei?

    hab jetzt aber schon Angst dass doch mal was passiert.

    dann hör auf Dein Bauchgefühl X/

    "Aber ich kann nicht so tun, als wüsste ich nicht von dem Leid der Menschen, die hier Zuflucht suchen." Sarah Connor, 15.10.2015


    "Wenn ein Fremdling bei Euch wohnt in Eurem Lande, den sollt Ihr nicht bedrücken. Er soll bei Euch wohnen wie ein Einheimischer unter Euch, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst." 3.Buch Mose

  • Hallo Marie-Claire,

    Ja ich war beim kastrieren dabei und es ist alles korrekt verlaufen. Da ich einmal einen schlecht kastrieren Ochsen hatte, habe ich da jetzt ein Auge drauf.

    Ich kenne auch das Verhalten von Ochsen bei stierigen Rindern. Dass was Max abzieht, ist aber definitiv eine andere Nummer, weil er sich ja jetzt auch gegen Menschen richtet.


    Also kann es rein körperlich nicht sein, dass wenn beide Hoden weg sind, er hormonell gestört im Hirn ist??


    Mein Bauchgefühl sagt folgendes: wenn nichts passiert bis ich wieder da bin (da liegt aber einmal stierig sein des Rindes nochmal dazwischen) und der erste Kontakt mit Max aufhalftern ok verläuft und ich wieder täglich mit ihnen laufe und dann eh nach ein paar Wochen weg bin, dann müsste es gehen. Wenn aber irgendwas davor passiert, tja dann...

  • ich denke nicht an hormonell gestört; ich denke er weiß trotzdem was los ist; das wissen alle in der Herde, es "spricht sich rum"; und die Arbeit der Herren ist nun mal das stierige Tier zu "hüten", auch wenn sie kastriert sind

    wenn Du mit ihnen unterwegs bist und keine Kalbinnen/Kühe in der Nähe kann gut sein, daß wieder Ruhe einkehrt; wenn Du Dich von ihm angemacht gefühlt hast, nimm das aber so mit wie er es rübergebracht hat!

    "Aber ich kann nicht so tun, als wüsste ich nicht von dem Leid der Menschen, die hier Zuflucht suchen." Sarah Connor, 15.10.2015


    "Wenn ein Fremdling bei Euch wohnt in Eurem Lande, den sollt Ihr nicht bedrücken. Er soll bei Euch wohnen wie ein Einheimischer unter Euch, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst." 3.Buch Mose

  • Also ich hatte so etwas ähnliches mit meinem Ochsen auch (er wird im Juni 4 Jahre alt). Da ich im Februar ebenfalls wenig Zeit hatte, habe ich ihn fast täglich auch nur für ein paar Stunden auf die Koppel gestellt und mit ihm über 3 Wochen nichts gemacht. Er fing dann auch an, wenn ich ihn reinholen wollte, den Kopf zu senken, vor mir zu scharren und den Kopf am Boden zu reiben, ich habe dann gewartet bis er sich beruhigt hat und zum Tor kam, so konnte ich das Halfter aufziehen, dann war es gut.

    Bei mir ist es so, dass der Ochse im Stall mit den Zuchtbullen steht, die stehen dort getrennt, haben aber eingeschränkten Kopfkontakt. Auf die Koppel geht er im Winter alleine, macht ihm aber nichts. Im Sommer geht der Ochse wieder mit unserer weibl. Nachzucht auf die Koppel, durch den Kontakt mit ihm, werden die Rinder ebenfalls ruhiger. Er springt aber auch auf bei "bulligen" Rinder, ob es dieses Jahr Probleme gibt, wenn ich ihn von seinen Rinder weghole, hoffentlich mal nicht.

    Ich denke bei Viktor war es eindeutig der fehlende Umgang und eine gewisse Unausgelastetheit, körperlich wie auch mental, die ihn dazu verleitet haben sich so aufzuspielen, nach Trainingseinheiten wird das Verhältnis wieder besser.

    Bei Victor ist es aber auch so, dass es keine feste Herdenstruktur gibt, er hat immer wieder andere Artgenossen um sich und zum Wochenende, wenn ich ihn zu mir nach Hause hole, steht er nur mit Pferden zusammen.