Warten lernen

  • Hallo,


    ich war die letzen beiden Tage mit Fanny einer zweijährigen Hinterwälder Kalbin beim Holzrücken. Sie zieht sonst ein Wagerl oder ein "Stoneboat". Bei uns gibt es fast nur Schwachholzbestände, es war also nichts schweres zu ziehen. Das ganze hat auch ganz gut geklappt. Ich habe Sie in der Zeit, in der ich den nächsten Stamm bereit gemacht habe an der Ackerschine meines Unimogs festgebunden und etwas Heu dazugelegt. Am ersten Tag war sie fast panisch wenn sie zwei Minuten warten musste. Ich hab dann nach dem dritten Stamm den Heimweg wieder angetreten, das sind nur 500m. Diese Ungeduld kenne ich z.B. beim Anschirren nicht. Wenn ich im Dorf mal mit wem ratschen will bleibt sie auch relativ ruhig stehen.
    Am zweiten Tag ging es schon etwas besser, aber sie war immer noch sehr nervös, was sie sonst garnicht ist.


    Wenn ich ein Ziel formulieren darf wäre es schön, wenn sie auch ohne anketten stehen bleiben würde.
    Wie übt ihr sowas? Ich habe sie als sie noch kleiner war öfter mal im Stall angehängt, aber da waren mehrere Tiere dabei?
    Verlange ich zuviel für das "Sturm- und Drangalter"?


    Wie ist das bei Euch?


    Danke
    Hermann

  • Hallo,
    ich kann Dir leider keinen Tipp geben, aber finde es so super, das Du Holz rückst!
    Das wäre bei uns auch denkbar, und wenn ich mal soweit bin, werde ich Dich gerne fragen!
    Viele Grüße
    und sicherlich melden sich die Profis hier noch!
    Irene

  • Wenn die Tiere stärker werden und die Arbeit anstrengender und länger, lernen sie es meistensvon allein. Dann freuen sie sich über Pausen.


    Üben kann man das auch, in dem man die Kuh z.B auf der Wiese oder in einem eingezäunten Platz mit dem Strick über den Hals hinstellt und vom Kopf nach hinten geht. Erst nur 1 Schritt rückwärts, dann bis zu ihrer Schulter. Bleibt sie stehen: Loben (bei Bedarf auch mit Futter). Bleibt sie nicht stehen, wiederholen, Kommando zum Stehen bleiben geben, wieder einen Schritt rückwärts vom Kopf richtung Schulter. Erfolge belohnen, wenn es nicht klappt: freundlich ignorieren und weiterprobieren. Sie wird schnell herausbekommnen, daß es nur was gibt wenn sie stehen bleibt. Die Entfernung vom Kopf nach hinten immer vergößern, bis man neben dem Schwanz stehen kann, später auch hinter der Kuh. Jedes mal wieder nach vorne gehen und loben wenn es klappt. Entfernung und Dauer vergrößern. Beide Seiten einzeln üben. Ein paar Lerneinheiten braucht es schon, denn hinter sich haben sie einen nicht gerne, das ist eine Treibende Position.


    Letztens war ich auch mit 2 Kühen im Wald, die aber nicht so oft zu zweit arbeiten. Ich habe die lange Leine immer griffbereit hinten neben mir auf dem Boden liegen, wenn ich die Kette am Stamm festmache.
    Ich fühlte mich allein und sicher im Wald und bastelte mit der Kette am Stamm ´rum, da fragt mich eine Stimme direkt hinter mir, wie sie denn hier nach Wall kommt. Ich habe mich fürchgerlich erschrocken!
    Als ich schnell nach der Leine greife und mich umdrehe sehe ich direkt hinter mir eine ältere Frau mit Fahrad und einen wuscheligen kleinen Hund neben den Rindern, nah am Kopf.
    Die beiden Kühe sind zum Glück brav stehen geblieben, obwohl die eine Hunde nicht mag und die andere sich vor fremden Menschen manchmal erschreckt.
    Hätte ich die Frau kommen sehen, wäre ich deshalb an den Kopf der Tiere gegangen, weil es schon hätte sein können, daß sie das als Anlass nehmen, um ohne Stamm nach Hause zu gehen. Man verbringt viel zu wenig Zeit mit den Tieren! Sonst hätte man diese Sorge nicht.


    Wenn ich länger brauche um die Kette ´dranzubasteln binde ich die Kühe deshalb auch manchmal irgendwo an den Baum. Wenn alles vorbereitet ist, führe ich sie hin, lege die Leine auf den Boden neben mich und hänge nur noch an.


    Die Situation die Du beschreibst ist aber eigentlich typisch für Tiere, die noch nicht gewohnt sind, ohne ihre Kumpels länger weiter weg zu gehen (dann können auch 500m "weit weg" sein).
    Je mehr Stunden Du mit Ihnen arbeitest, desto besser wird das von alleine.



    Wenn sie "fast panisch" ist hilft Üben in dem Sinne aber nicht. Sie "kann" es vielleicht schon theoretisch, sie versteht was Du willst, sie hält es nur noch nicht so lange allein aus. Die Übung" besteht dann einfach in gemeinsamer Arbeit, damit sie sich daran gewöhnt, allein mit Dir etwas zu machen. Das passt abr nicht zu der Aussage, daß sie sonst ruhig bleibt, wenn ihr im Dorf unterwegs seid.
    Andererseits bist DU beim "Ratschen im Dorf" ja am Kof, im Wald muß sie aushalten, daß DU hinter sie gehst, in eine treibende Position, zumindest aber weg von ihr.


    Nervostät ist jedenfalls oft psychische Überforderung und sollte durch Routine besser werden.


    Aber es können auch andere, konkrete Gründe gewesen sein, die man aus der Ferne und im Nachhinein nicht unbedingt mehr feststellen kann.


    Viel Erfolg!

  • Hallo,


    ja das Thema Überforderung könnte sein. Die Nervosität war nämlich auch schon da, als wir das erste mal über eine komplett neu eingeschneite Wiese gelaufen sind. Ohne für sie vorgegebenen Weg war sie völlig verunsichert - ich gehe normalerweise hinter dem Balancepunkt - da musste ich vor dem Kopf gehen, damit es flüssig ging.


    Wenn ich die Kuh stoppe kann ich normalerweise bis zum Schweif hinter gehen, aber weiter weg nicht. Vielleicht sollte ich das nach der von dir beschriebenen Methode mal üben.


    Ein weiterer Punkt ist die dauer. Ich gehe sonst immer nur kleine Runden mit dem Wagerl, das dauert von aus dem Stall holen, anschirren, fahren bis abschirren und in den Stall zurück meist nur 45 Minuten. Vielleicht sollte ich mal längere Einheiten üben.


    Ich ziehe nur 3m Stämme einer Weide zu Haufen zusammen, dass ich sie mit dem Ladekran des Unimog besser erreichen kann. Sie zeiht also nur eine Minute und wartet dann drei Minuten bis zum nächsten Stamm.


    Ich übe weiter, aber mit Holzarbeit hab ich's leider schon für heuer.


    Danke
    Hermann