Auszug aus dem Kälbertagebuch

  • Max und Milan.
    Jetzt ist es also soweit. Nachdem Lothar diesen Winter seinen ersten Arthroseschub hatte kümmere ich mich diesen Sommer um den Nachwuchs.
    Anfang Mai habe ich zwei ungarische Grauviehkälbchen in Ungarn gekauft und noch weigert sich Deutschland sie zu importieren. Deshalb bin ich jetzt in Ungarn und tränke sie, bis der Transport sein darf. Es ist spannend und herausvordernd den Weg ZWEIER kleiner Ochsen zu begleiten. Bei allem was ich mit ihnen mache bin ich dankbar für jede Minute, die ich mit Lothar zusammen war und für die viele Zeit in den Kuhställen. Alles zahlt sich aus. Jede Kuh, jeder Ochse den ich schon am Halfter hatte trägt zu ihrer Ausbildung bei.
    So bin ich einigermassen ruhig mit ihnen und wenig im Kopf nachdenkend und konsequent. Trotzdem werd ich wohl viele Fehler machen. Damit ich meine Schritte auch später noch nachvollziehen kann, habe ich angefangen ein Kälbertagebuch zu führen. Das werde ich in Auszügen hier veröffentlichen. Hier noch von den Anfängen:


    Tag 1: Vormittags holen wir die Kälbchen. (...) Mit dem Kälberstrick versehen kommen sie ins Auto. Dort sind sie erstaunlich ruhig die ganze Fahrt. Beim Ausladen springt Milan wild umher. Er ist schon so stark, dass ich ihn allein kaum zu halten vermag. Zu zweit kriegen wir ihn schliesslich unter Kontrolle. Dabei ist er ja erst zwei Monate alt! (...)


    Sie werden nun mit dem Kälberstrick angebunden und das wird auch erstmal für die nächsten Tage so bleiben. Beide sind sehr wild. Kennen keinen Elektrozaun.


    Zusätzlich zum Strick mache ich ihnen ein Halfter dran und führe den Kälberstrick durch dessen Schlaufe. So kann der Kälberstrick sich nicht mehr drehen und der Kopf nicht mehr rausrutschen. Im Kälberstrick wird ein Dreher eingebaut, da sich sonst das Seil in sich verdreht, wenn sie darüber steigen.

    [Blocked Image: https://3.bp.blogspot.com/-KqnQ2dMJmq0/V17DU93e7MI/AAAAAAAAAmY/remNaXyNxikPmR0yCwjvEUxrRs99U4LoACLcB/s320/halfterkalberstrickkl.JPG]
    Milan mit Halfter, Kälberstrick und metallenem "Dreher", da ist er aber schon 3 Monate alt, also kein "kleines Kälbchen" mehr


    Arme Kerle.
    Es tut im Herzen weh zu sehen, wie ein Tier, welches bisher nur die Freiheit kannt auf einmal angebunden sein muss. Mit nur kleinem Radius. Und von der Mutter getrennt. Da kann ich mir nur vorbeten, dass das der Preis dafür ist, dass sie nicht mit 8 Monaten beim Schlachter landen.


    Ich lasse sie in Ruhe.
    Sie haben genug neues zum Verdauen. Und auch so kann ihnen die menschliche Anwesenheit noch nichts Postives bringen. Nun müssen sie erstmal lernen was es heisst angebunden zu sein, nur mehr zu Zweit zu sein und unter Menschen.
    Abends versuchen wir Max und Milan zum ersten mal zu Tränken. Es braucht zwei Menschen, denn sobald man hinkommt springen sie wild umher. Und natürlich wissen sie noch nicht, dass aus der weissen Flasche was Gutes für sie kommt. Deshalb trinken sie nicht. Was anderes war nicht zu erwarten. (...) Max trinkt einen Liter, zuerst gezwungen, dann freiwillig. Milan wird zu knapp einem Liter gezwungen. Ein Liter ist nicht genug zum wachsen, aber erhält erstmal den Körper, bis der genug hungrig ist um zu verstehen, dass das, was aus der Flasche kommt gut ist.


    Tag 2: Max trinkt nach anfänglichem Zwang wieder selber, Milan noch nicht. Wieder nur ein Liter. Danach lass ich sie wieder komplett in Ruhe. Bin aber periphär präsent.
    Mittags trinkt Milan zum ersten mal nach anfänglicher Zwangsphase 1 Liter. Max muss es nur noch in Mund reingetan werden, dann trinkt er 1 1 /2 Liter.
    Abends: Tränke ich das erstes mal alleine, ohne Hilfe..Max kommt schon zu mir zum trinken. Milan muss noch ein bisschen aufgefordert werden.
    Trotzdem bin ich sehr glücklich und erstaunt. Das Tränken habe ich mir schwieriger vorgestellt. Bei einem Kälbchen, welches 2 Monate bei der Mutter war und schon Gras frisst, kann es sich auch als unmöglich herausstellen, es auf Flasche umzustellen.


    Tag 3: Max und Milan trinken alleine bis zu 3 Liter drei mal am Tag. Sonst werden sie aber noch alleine gelassen. Sie springen noch viel umher, wenn man ihnen zu nahe kommt.


    Tag 4. Ich fahr nach Deutschland für 20 Tage. In dieser Zeit tränkt ein Freund sie dreimal am Tag für zwei Wochen, danach gibt er ihnen nur zweimal je 3 Liter. Dafür bietet er ihnen Mittags wenns heiss ist Wasser im Eimer an, welches sie annehmen. Ab der zweiten Woche werden Max und Milan draussen angepflockt, dafür wird am Kälberstrick ein 6 Meter langes Seil befestigt. Sie springen viel, doch lernen sie schnell nicht ins Seil reinzulaufen. Endlich wieder mehr Freiheit!
    Insgesamt bin ich überaus positiv überrascht von der Intelligenz dieser Rasse!

  • Hallo Eva! Toll, daß Du uns daran teilhaben lässt!
    Grauviecher sind sicher eine tolle Rasse zum Arebiten, das wird sicher flotter als mit Lothar!


    Schade, daß er schon Arthrose bekommt. Wie alt ist er jetzt, 7, 8 Jahre?
    Weiß eigentlich jemand, wieso das bei Ochsen soviel schneller geht als bei Kühen?


    Lothars Mutter ist knapp 13 geworden. Ich habe sie damals schlachten lassen, weil sie neben immer häufigeren Euterproblemen auch beim Aufstehen Probleme hatte.
    Es fing etwa 2 Jahre vorher sichtbar an.

  • Hallo Astrid,
    ich finds auch viel viel zu früh. Lothar ist grad mal 7 1/2 Jahre alt und es begann natürlich an seinem linken Hinterbein, wo er ja immer irgendwie Probleme machte.
    Wieso das aber bei Ochsen früher beginnt, weiss ich nicht.
    Jetzt, wo er wieder viel bewegt wird, sieht man gar nichts mehr, doch als ich ihn aus der Winterpause holte, konnt ich kaum hinschauen. Erstaunlicherweise sah man beim Kutscheziehen nie was, aber beim ganz normalen laufen schon.
    Ich hoffe doch sehr, dass Lothar länger als 2 Jahr noch durchhält!!!
    Eva

  • Tag 5 (ich beziehe mich auf die Tage bei den ich bei den Kälbchen bin).
    [Aus Deutschland zurückgekehrt] finde ich die Kälbchen angepflockt und liegend vor. Sie haben Angst vor mir. Gebe ihnen Mittags Wasser zu trinken, abends tränke ich sie, aber sie sind sehr vorsichtig. Sie erinnern sich nicht mehr an die ersten Tage, in denen ich sie getränkt habe.
    Tag 6
    Immer noch sind sie vosichtig beim Tränken. Milan lässt sich streicheln und mag es am Hals gekrault zu werden. Max nicht. Abends bringen der Freund und ich sie nach oben [d.h. eine Stecke von 300 Metern, wo ich dann zusammen mit ihnen leben werde]. D.h. sie werden zum ersten mal am Halfter geführt. Vorsorglich nehmen wir die leeren Tränkeflaschen mit. Bei Max wirkt dies auch beruhigend und läuft brav mit, er saugt daran, obwohl er weiss, dass nichts drin ist. Milan hingegen interessiert dies nach dem Test nicht. Wild spring er umher und läuft nicht. Ich gebe ihm Zeit. Der Freund läuft mit Max immer so 20 Meter vorraus. Ich ziehe Milan am Strick und immer wenn er einen Schritt läuft lasse ich los. Lasse ihn auch riechen. So laufen wir Schritt für Schritt und gelegentlich macht er immer noch einen wilden Kreis um mich herum, aber schon nicht mehr so bestimmt. Ich darf ihn mich nicht überholen lassen, weil er sonst gleich wild nach vorne springt. Oben an der Tanya ist er eher ängstlich, aber das ziehen, einen Schritt, dann loben und entspannen funktioniert gut. Und so kommen sie schlussendlich gut vor der Veranda an. Was für ein guter Spaziergang fürs erste mal. Oben bekommen sie dann gleich was zu trinken. Der neue Platz ist ihnen unheimlich. Lange brauchen sie, bis sie es wagen zu liegen.
    Tag 7
    Morgens tränken ganz normal. Mittags verlängere ich ihre Seile, damit sie nebeneinander liegen können, doch mache es zu lang. Sie verheddern sich. Sie dürften sich nur mit den Köpfen überlappend treffen können.(...) Abends führe ich zuerst Max noch in Sichtweite von Milan weg und binde ihn an eine Baum, nachdem ich in dessen Nähe schon die fertigen Milchflaschen deponiert habe. [Mein Gedanke dabei ist, sie das Laufen mit einer sehr positiven Angelegenheit in Verbindung zu bringen] Er lässt sich super führen. Auch Milan läuft Max für seine Verhältnisse gut hinterher. Nicht flüssig, er muss oft riechen, doch wenn ich Spannung lege auf das Seil läuft er den Schritt gut weiter. Nach dem Tränken lasse ich sie noch kurz angebunden stehen (...). Dann führe ich zuerst Milan, dann Max zurück. Problemlos.
    Tag 8.
    Morgens führe ich Max aus Milans Sicht heraus weiter weg und binde ihn an. Dann hole ich Milan hinterher. Sie haben keine Angst, obwohl ich sie zwischen die Wägen führe. Lasse sie nach dem Tränken wieder stehen bis ich die anderen Arbeiten erledigt habe. Milan läuft nicht so zügig, wieder weil er viel riechen muss. Milan lässt sich anfassen, z.T. auch gerne. Max ist das immer noch unangenehm. Bei beiden gilt: kraule ich sie ausserhalb der Tränkezeit am Schwanzansatz, springen sie. Max entzieht sich dem Anfassen, wenn man ihm dabei nichts zu nuckeln anbietet.
    Mittags führe ich sie in Schatten und binde sie kurz an. Diesmal brauchen sie keine Eingewöhnungszeit und legen sich schnell hin.
    Versuche ihnen ein Übungsjoch zu machen. Oben ein Stock und um den Hals Lederbänder. Sie haben damit aber noch zu viel Spielraum. Versuchshalber lauf ich trotzdem mit ihnen. Viel Chaos, wenig Verständnis, aber kein ersnt gemeinter Versuch auszubrechen. Aber auch nicht wirklich erfolgreich. (...) Und die vielen Seile in der Hand sind nicht hilfreich. bräuchte ein Seil und die Peitsche. ???? Grosse Verwirrung auf Menschen und auf Kälberseite.
    Tag 8:
    Sonntag für die Kälbchen. Sie werden nur getränkt und dann zurückgeführt. Abends am Platz getränkt. Da sie nun wissen, dass sie getränkt werden, wenn ich sie wegführe, laufen sie sehr schnell,zu schnell und überschwänglich. Die Idee des Laufens haben sie jetzt, also werde ich sie nun nur mehr am Platz tränken. Ich möchte nicht Überschwänglichkeit provozieren um sie dann mit Kraft ausbremsen zu müssen.
    Tag 9.
    Ich habe das Joch verlängert und das Leder unten zusammengebunden. Doch trotzdem klappt es nicht so gut. Hab die Idee, dass es vielleicht am Joch liegt und binde sie deshalb am Hals mit dem gewohnten Strick zusammen. Gleich gehts besser aber noch nicht gleichmässig. Max ist immer schneller und Milan braucht eigentlich überall Zeit zum riechen.
    Ab dem ersten Tag ist klar wie unterschiedliche Charaktere sie sind. Max denkt wenig, aber beim trinken und laufen ist er gleich mit dabei. Milan denkt und ist daher langsamer. Wenn er aber was durchdacht hat ist er Vertrauensvoller als Max.
    Das lange angebunden sein selber ist für das Training ideal, da sie im Kopf haben, dass das Ende des Seils stärker ist als sie und so tun sie das nie anzweifeln, selbst wenn sie wild tun. Milan hat nur beim ersten Führen probiert auszubrechen und seid dem gar nicht mehr. Nicht dass sie nicht rumspringen würden um mich, doch tun sie das nie mit ihrer vollen Kraft. Ideal für ein Training. Auch lernen sie so ihre Füsse von den Seilen zu befreien und dass Seile nichts schlimmes sind. Auch merkt man ihnen an, dass sie sehr vertrauensvolle Wesen sind, als ob nie was nachträglich schlimmes in ihrem Leben passiert wäre.
    Heute hab ich den den Elektrozaun an einer Seite aufgestellt, so, dass sie mit der Nase grad noch drankommen können. Beide haben einen sauberen Schlag bekommen und lassen seitdem den Zaun in Ruhe.
    Zur Peitsche: Ich versuche die Peitsche vor ihrer Nase einzusetzen, wenn sie mich überholen. Etwas funktioniert es, wenn sie das «Wusch» Geräusch hören, aber nicht so gut. Wie viel darf ich die Peitsche schon einsetzen? Hinten klopfen bringt noch nichts das sie noch nicht gelernt haben was das bedeutet.
    Sie bespringen alles. Beim losbinden vom Pflock versuchen sie ständig mich zu bespringen. Immer wenn ich mich auch nur leicht bücke. Es ist Zeit dass sie kastriert werden!!!
    Tag 10.
    Da sie genug Respekt vor dem Elektrozaun zeigen habe ich ihnen heute einen grossen Bereich eingezäunt zweireihig. Dann hab ich Milan frei gelassen nur mit Halfter und Kälberstrick. Er hat keinerlei Anstalten gemacht den Zaun zu berühren. Ein paar Stunden später habe ich gewechselt. Da war aber bei Milan erstmal wieder ziehen am Strick. Ich nehme an er war verwirrt. Deshalb glaube ich dass sie ein Zeichen brauchen, was ihnen zeigt, dass sie nun frei bzw wieder angebunden sind. Daher habe ich Max das Halfter abgemacht und ihn nur mit Kälberstrick frei laufen lassen. Er war mir ein bisschen immer zu nahe am Zaun, war aber 4 h drin, also kennt er es wohl. Dann hab ich nochmal getauscht. Abends, als ich zurückkam waren beide noch im Zaun. Milan kennt jetzt so gut den Zaun, dass er sich nicht zu mir hergetraut hat. Gutes Zeichen. Für heute ist das Lektion genug.
    Nun werden wir nur noch kurz einzeln laufen.
    Wichtig ist, dass ich sie rechtzeitig bevor sie Hunger haben beide wieder anbinde, weil sie sonst aneinander saugen!
    Ich dachte nicht, dass ich ohne Lothar so viel mit ihnen üben kann. Doch diese angepflockt sein ist so gut, dass es viel gibt: alleine laufen, zusammenlaufen. Hü und Ho, Plocken und frei, Elektrozaun. Getrennt sein voneinander.
    Sie sind so intelligent, und so vertraunsvoll. Ich staune jeden Tag.

  • Ich hoffe doch sehr, dass Lothar länger als 2 Jahr noch durchhält!

    Luci hätte auch noch länger durchgehalten. Die Entscheidung kam aus einem Winter mit lauter gesundheitlichen Problemen,von denen die Arthrose allein für mich nicht gereicht hätte.


    Das sind ja super Fortschritte mit den beiden, man höhrt, daß da eine erfahrene Ochsenfrau trainiert.
    Viel Erfolg weiterhin!

  • Sie sind so intelligent, und so vertraunsvoll.

    Rinder eben :thumbsup:


    ich denke unsere Ochsen werden zu schnell groß; wir mästen sie quasi - und ganz eigentlich wollen wir das nicht
    mit weniger Tempo Gewicht auf die Knochen sollte gesünder für die Gelenke sein

    "Aber ich kann nicht so tun, als wüsste ich nicht von dem Leid der Menschen, die hier Zuflucht suchen." Sarah Connor, 15.10.2015


    "Wenn ein Fremdling bei Euch wohnt in Eurem Lande, den sollt Ihr nicht bedrücken. Er soll bei Euch wohnen wie ein Einheimischer unter Euch, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst." 3.Buch Mose

  • Tag 11:
    Nachdem das mit dem Zaun so gut funktioniert, nehme ich jetzt einem Kälbchen alles ab. Zum ersten mal ist einer immer komplett frei. Da schaun sie gleich anders aus. Um das Einfangen nicht unter Stress laufen zu lassen, nehme ich zwar die Stricke in die Hand die es braucht. Streichle aber erst mal beide. Dann mache ich ganz ruhig den Kälbersrtick um den Hals und mach dann wieder ganz was anderes. Dann erst das Halfter. .Auch wenn das Kälbchen wieder fertig angezogen ist führe ichs nicht gleich weg, sondern streichle noch weiter. Dann erst führe ich ihn zum Anbinden. Das klappt eigentlich sehr gut.
    Tag 12:
    Laufe zuerst mit Milan, dann mit Max. Dann zusammen. Zusammen sind wir ein sehr weites Stück gelaufen, fast bis zur Quelle. Auf dem Rückweg wollte Max auf einmal nicht mehr laufen. Milan zuerst noch, doch dann auch nicht mehr. Hab Max mit der Peitsche auf den Hintern gehaut, das hat er verstanden, doch nur für ein paar Schritte. Blöde Situation. Als sie wieder mal standen haben beide angefangen zu Pinkeln. War das der Grund? Doch auch danach bekomme ich Max nur mühsam zum laufen. Kein guter Trainingstag. Ich habe auch danach das Gefühl, als wäre Max wie aus einer Hülle herausgefallen, die er sonst um sich herum hatte. Auch bei Milan war das so. Sie waren einfach nicht mehr so ruhig und ausgeglichen. Wieso?



    Tag 13/14:
    Hab Besuch, also werden sie nur getränkt. Vor allen anderen Menschen haben sie Angst. Der Besuch hat Max die Falsche gegeben, der hat sich aber nur mit meiner Hilfe trinken getraut.
    Tag 15:
    Laufe zuerst mit Milan. Sehr zäh. Dann mit Max, der einen besseren Tag hat, aber auch schon besser lief. Nachher zusammen. Das ging sehr gut, doch Milan ist in der Regel viel schneller als Max. Dann kam wieder die Situation: Einspreizen bei Max, nix geht mehr. Woher kommt das? Ein paar Mal hintereinander musste ich ihm mit der Peitsche eines auf den Hintern geben. Dann hat sich Gott sei Dank der Knoten irgendwie gelegt. Ganz wichtig: er hat verstanden was die Peitsche ihm sagen wollte.
    Dass nur einer angebunden ist funktioniert sehr gut. Bisher ist noch keiner weggelaufen vor dem Anbinden. Auch beim Anbinden hat noch keiner gezogen um wegzukommen. Darüber bin ich froh, weil ich noch nicht weiss, wie ich reagieren sollte würden sie versuchen wegzulaufen.
    Tag 16.
    Alleine laufen sehr mühsam. Zusammen laufen sie schnell. Einer, meist Milan ist immer schneller, das machts mühsam. Entweder einen STÄNDIG stoppen oder den anderen STÄNDIG auffordern schneller zu laufen? Was ist, wenn sich das immer so sein wird, wenn ich zwei Ochsen habe, die in ihrem Tempo grundverschieden sind?
    Tag 17:
    Jetzt ist offensichtlich, dass sie nur mehr lieber zu zweit laufen, als alleine. Vorher war ich als «Mutter» immer noch genug Ersatz, doch das zählt nicht mehr. Alleine ists jetzt wirklich mühsam. Zwei Schritt gehen, stehen, auffordern, zwei Schritte gehen, stehen....
    Es fängt auch langsam an, dass ihr Grundvertrauen nicht mehr so da ist, ihr eigebettet sein in alles. Dadurch gibt es aber auch ein getrenntsein von mir und zum ersten Mal irgenwei ein Misstrauen auch. Schade.
    Jetzt haben sies beide geschnallt, dass ein leichtes Peitschentippen am Hintern eine Bewegung nach vorne verursachen soll.
    Es stimmt, dass Milan beim weggehen immer die Nase vorne hat, aber Max dafür auch manchmal beim Nachhause gehen. Also sind sie vielleicht doch nicht so grundverschieden.
    Villeicht sollte ich mal lange mit ihnen gehen um zu sehen wie sie laufen, wenn sie müde werden? Aber überreizen darf ich auch nichts, denn was mach ich, wenn sie unterwegs irgendwann einfach keine Lust mehr haben?



    Wenn sie so schnell sind zu zweit, wie soll ich damit umgehen? Sie ständig zurückhalten, auf die Nase klopfen und ständig «langsam, langsam» sagen?



    Ich fange an mir der Beinarbeit. Auf Befehl"gib» möchte ich, dass sie ein bisschen das Gewicht weg von dem Bein nehmen, und dann lob ich.
    Heute hat sich Milan zum ersten mal nicht ganz ohne Meckern das Halfter anziehen lassen. Er fängt schon an sein Horn ein bisschen einzusetzten.
    Tag 18:
    Heute laufe ich zweimal um zu schaun, wie sie laufen wenn sie müde werden.
    Morgens waren sie wieder sehr sehr schnell, Milan vorran, doch auf dem Rückweg sind sie ziemlich gemächlich gegangen. Ich korregiere, mache aber nicht zu viel, um sie nicht zu demotivieren.
    In den seltensten Fällen laufen sie Nase auf Nase, doch wenn sies tun dann bekommen sie gleich ein gehöriges Lob.
    Am Nachmittag waren sie von Anfang an nicht schnell und waren ein gutes Stück hinter mir. Oft konnte ich ganz entspannt vorne weg laufen, ohne auf sie zu achten. Das ist ein grosser Erfolg!
    Eigentlich sind sie sehr interessiert an allem würden gerne an allem riechen, doch eigentlich scheuche ich sie immer weiter. Bin mir nicht sicher, ob das die richtige Lösung ist, denn vielleicht verderbe ich ihnen dann die Freude, wenn sie nie schnüfflen dürfen? Andererseits weiss ich halt von Lothar, dass wenn ich ihn anfangen lasse was zu machen, dass es sich dann von selber ausweitet.
    Ich fange auch an Max und Milan zu tauschen, damit sie sich nicht auf einen Platz gedanklich einfahren.
    Beine heben üben wir jetzt täglich.
    Manchmal merke ich schon, v.a. bei Milan, dass er auf das Stimmsignal schon regiert, ihn kann man besser lenken und Geschwindigkeiten verändern. Max ist eher einer der ist wie er ist, da kann man nicht viel ändern.
    Tag 19.
    Heute hatt ich nicht viel Zeit, deshalb bin ich mit ihnen nur zu den grossen Ochsen runter gelaufen. So schön sind sie gelaufen! Langsam und ruhig und ungestresst. Unten habe ich sie dann nur die ganze Zeit angebunden gelassen, damit sie dies als Übung hatten: an einem eher fremden Ort länger angebunden zu sein. Anfangs wars schon aufregend, doch als ich von der Zaunkontrolle wiederkam standen sie ganz entspannt. Abends hab ich dann zum ersten Mal alle beide frei laufen lassen. Erst gegen Mitternacht haben sies verstanden und sind rumgesprungen.
    Ich finde es ein gutes Zeichen zu sehen, dass sie nicht von mir davon laufen, wenn ich mit den Seilen komme. Der Kälberstrick ist ihnen ziemlich wurst. Das Halfter haben sie nicht ganz so gerne, das merkt man, aber sie wehren sich nicht, in dem sie weglaufen wollen, sondern eher im Kopfverrenken.

  • Als sie wieder mal standen haben beide angefangen zu Pinkeln.

    Ochsen und junge Bullen (mit erwachsenen Bullen habe ich kaum Erfahrung) pinkeln oft, wenn etwas aufregend war und sie sich danaach wieder entspannen. Erst daran erkenne ich manchma, daß - obwohl ein Tier bei einer neuen Übung oder Situation gelassen wirkte, doch aufgeregt gewesen sein mußte.


    Was ist, wenn sich das immer so sein wird, wenn ich zwei Ochsen habe, die in ihrem Tempo grundverschieden sind?

    Bei jedem Doppelgespann ist immer eines der Tiere etwas langsamer und wenn es nur eine Nuance ist.
    Dazu kommt, daß ein rangniederes Tier immer ein Stück hinter dem Ranghohen gehen muß, wenigstens ein paar cm Unterschied müssen sein.
    Ich finde es auch nicht einfach, den Tieren beizubringen, sich über dieses normale Sozialverhalten hinwegzusetzen.
    Für diesen Lernprozess kontraproduktiv ist das ebenfalls natürlich Verhalten des stärkeren Tieres, das Schwächere zurechtzuweisen sobald es auf die gleiche Höhe kommt.
    Nur wenn sie hart arbeiten, kommen sie nicht dazu und haben die Energie nicht über, für solche "Späße".


    Wenn sie so schnell sind zu zweit, wie soll ich damit umgehen? Sie ständig zurückhalten, auf die Nase klopfen und ständig «langsam, langsam» sagen?

    Ich versuche solche Situationen herzustellen, die nocht zu stark von dem abweichen, was sie gut bewältigen können. Später schreibst DU, daß das Eilen nachlässt, wenn sie weiter oder an einem Tag mehrmals gehen. Dann gehen sie von allein hinter Dir. Solche Situationen oft herbeiführen und das Verhalten belohnen.
    Bei jungen Tieren bin ich nicht so streng mit dem Tempo und passe mich ihnen etwas an, damit sie sich nicht so zusammen reißen müssen.
    Das Kommando "Langsam" übe ich lieber mit nur einem Tier gezielt in "guten" Situationen. Dann, wenn sie zufrieden mitgehen und gerne gehorchen. Dann gehe ich ein Stück in meinem Tempo, sage dann plötzlich langsam, gehe ab sofort deutlich langsamer, z.B. halb so schnell, atme tief und langsam und zupfe sie dabei immer wieder langsam. Sobald sie auf das Zupfen und as Stimmkommando auch nur ansatzweise reagiert haben: loben! Das mache ich oft hintereinander: 10 Schritte schnell, 5 Schritte deutlich langsamer als normal.
    Es ist schwierig, daß Kommando zu lehren, wenn man eigentlich gerade will, daß es schon funktioniert.


    Ich




    Manchmal merke ich schon, v.a. bei Milan, dass er auf das Stimmsignal schon regiert

    Ich glaube, Milan ist "mein Typ". Da bekomme ich richtog Lust, mitzuspielen!


    Toll, wie schnellm die beiden lernen.

  • Ich freue mich, wenn ihr die Fragen, die ich mir so stelle unter dem Training beantwortet. Damit hat ich gar nicht gerechnet, weil ichs ja für mich schreibe ;-) Aber das ist sehr hilfreich! Danke.

  • Tag 20
    Heute früh eine weite Strecke gelaufen. Sie waren so schnell den ganzen Hinweg. Später kam Besuch. So Angst hatten Milan und Max vor den Menschen! So abgelegen sind wir hier, dass ein menschlicher Anblick Seltenheit ist. Deswegen bin ich dann auch mit ihnen gelaufen. Zuerst war der Besuch hinter ihnen, doch das hat ihnen so Dampf gemacht, dass ich kaum hinterher kam. Als der Besuch dann vorne weg lief gingen sie schön ruhig. Wir gingen nur eine kurze Strecke. Beim Zurückgehen hab ich mich unterhalten, das haben sie sofort gemerkt, dass meine Aufmerksamkeit woanders ist. Da sind sie ewig langsam geworden, haben mal da gerochen, mal da geschnüffelt. Erst als ich dann den Besuch nach Hinten geschickt habe, gings wieder schneller. Als sie im Zaun waren hat sie der Besuch schon gar nicht mehr gestört.
    Beine geben sie noch nicht besser.
    Heute hatte ich wirklich den Eindruck, dass die Basics gesackt sind. Das heisst sie wissen im Grunde ( d.h. aber nicht dass sies immer tun): «zusammen» heisst gemeinsam loslaufen, Name plus «hü» heisst loslaufen oder schneller laufen, Peitsche vor der Nase heisst langsamer, Peitsche am Hinterteil heisst schneller, «halt» heisst halt.
    Ihre Namen kenne sie sicher schon eine Woche.



    Die Nebenkommandos wie: «rechts», «links», «langsam» hören sie, aber die gebe ich nur nebenbei und mit Seil bzw Peitschenhilfe.
    Tag 21 Sonntag
    Tag 22 Angesetzter Kastrationstermin, wurden versetzt
    Tag 23 Nach Vorbild von den ganzen All Tings Oxn Fotos hab ich heut was anderes ausprobiert. Zuerst bin ich mit Milan allein gelaufen um nochmal sicherzustellen, dass er weiss, dass die Peitsche am Hinterteil bedeutet nach vorne zu gehen. Dann hab ich sie zusammengebunden, aber diesmal nur Max am Halfter geführt. Sicherheitshalber hatte ich noch einen zweien Führstrick dabei.
    Zuerst waren sie wieder superschnell, nach zwei Pausentagen. . Aber es ging genausogut wie mit zwei Führstricken. Milan hat schon sehr schnell gemerkt, dass er dadurch mehr Freiheit hat und hat wieder mehr an allem rumgerochen, aber sobald ich ihm das Kommando gegeben, oder ihn mit der Peitsche angetippt hatte lief er weiter. Ich glaube so ganz weiss er aber noch nicht, wieviel MEHR an Freiheit er hat. Ich bin positiv überrascht und sehr gespannt, obs so weiter geht.
    Das Halfter an und abziehen, das mögen sie gar nicht. Hingegen den Kälberstrick drauf und wieder ab machen ist gar kein Problem. Jetzt frag ich mich, ob es nicht besser wäre mit was anderem wie Halfter zu arbeiten. Aber für Hornstrick ist es doch noch zu früh? Ich will auf gar keinen Fall, dass sie ihre tollen Hörner irgendwie beschädigen.
    Tag 24
    Das Training verlief schlecht. Wir sind eine längere Strecke im Wald gelaufen (Max wieder am Halfter und Milan nur mit Max verbunden) doch sie sind einfach nicht ruhig geworden. Sie können von sich heraus schnell laufen, doch gibt es einen Moment, da verlieren sie ingendwie den Zugang zur Sache und werden immer schneller und einfach nicht mehr wirklich regulierbar. Und so wars heute das ganze Training lang. Natürlich bekam ich dann auch noch gerade zwei wichtige Telefonate und die Zeit des nicht auf sie Konzentriertseins haben sie gleich genützt um sich irgendwie noch mehr reinzusteigern. So oft musste ich ihnen eins auf die Nase geben, weil sie einfach nur nach Vorne gedrängt haben und mich auch überrennen wollten. Aber es gibt ein «auf die Nase geben» was was nützt, nämlich dann wenn sie konzentriert sind. Wenn sie sich aber im Kopf verschossen haben hilft ein auf die Nase geben nur viel zu kurzfristig und eigentlich müsste man ständig nachlegen. Aber das will ich nicht. Ich will doch sensieble Tiere haben!!! Als wir am Platz zurück waren war ich auch ratlos, weil ich so weder weiterlaufen, noch aufhören wollte. Dann ist mr Gott sei Dank eingefallen (es war mittlerweile schon ziemlich heiss), dass ich ja auch einzeln laufen kann. Also haben ich jeden noch einzeln genommen und bin eine kleine Runde gelaufen. Und das war super: ruhig und langsam, stehen bei Halt, laufen bei Hü, kein Überholen, bzw wenn, liessen sie sich nur mit Peitschenzeichen verlangsamen. Das war dann doch noch ein gutes Ende. Vielleicht ist jetzt erstmal wieder an der Zeit für Einzeltraining, sie weich machen in den Kommandos und dann wieder zusammen.
    Abends die Kastration und die Ohrmarken. (...)
    Tag 25
    Am Morgen wars ganz still, da hab ich dann doch einen Schreck gekriegt weil ich sie zur frühen Stunde doch immer gehört habe. Also schnell auf. Doch alles gut. sie schlafen nur. Haben gegen alle Erwartungen ihre Portion Milch getrunken und danach gleich angefangen zu grasen. Fast als ob gar nichts wär.(...) Hab sie dann gegen Mittag hin in Schatten geführt, [die ungarischen Steppenrinder leben ursprünglich in einer im Sommer sehr sehr heissen Region, wo es keinen Baumbestand (also Schatten) gibt. Deshalb sieht man diese Tiere auch nie im Schatten liegen, selbst wenn sie einen haben. Diese natürliche Eigenschaft möchte ich ihnen nicht abtrainieren, doch gerade ist das ein anderer Fall]. Es war ihnen auch tagsüber kaum was anzumerken. Sie waren ein bisschen abgelenkter, und haben mich oft gerufen. (...) Sie haben nicht einmal die Ohren hängen lassen. Hoffen wir dass das so bleibt.
    [...bin 2 Tage weg]
    (...)



  • Tag 30:
    Steh um halb sechs auf und laufe diesmal sofort, also auch
    vor dem Tränken wegen der Hitze. binde sie aus Faulheit gleich auf der
    Wiese zusammen. Max ist frei, Milan am Halfter. Anfangs sind sie schon
    schnell, doch dann laufen sie sie ganz toll ein und sind für ihre
    Verhältnisse eher langsam. Obs was mit den Schmerzen der Kastration zu
    tun hat? Wir laufen bis zu den ersten Häusern des Dorfes. Neue Lektion.
    Es ist schon aufregend für sie doch dafür, dass es seid langem ihr
    erstes Haus ist sind sie ruhig. Auch laufen sie zum ersten Mal auf
    Teer, was ein anderes Gehgefühl hat und die Geräusche anders macht.
    Gleich drehen wir aber schon um.
    Nachdem sich bei dem «Gib» der Füße
    nichts weiter entwickelt hat, sie also nie von selber angefangen haben
    das Bein wirklich zu heben oder noch lockerer zu machen, greiffe ich
    jetzt doch zu der Tatsache, dass ich stärker bin und nehme erstmal ein
    Vorderbein, nach VORNE, bis es auf mein Knie passt, daraufhin wird
    gleich gelobt und gestreichelt. Bei den Hinterbeinen mache ich das
    selbe, nur hebe ich das Bein nur kurz vom Boden weg, da in den
    Hinterbeinen bei ihnen ein grosser Aussschlagreflex da ist. Bei Milan
    hab ichs gut geschafft, doch Max schlägt hinten links richtig heftig
    aus, nachdem das Bein vom Boden weg ist. Schaffe es glücklicherweise es
    wieder nach vorne zu bringen und dort kurz zu halten. Fertig. Bin sehr
    versucht es bei dem Bein gleich nochmal zu machen, lasse es aber.
    Tag 31
    Binde
    sie wieder auf der Wiese zusammen und laufe mit ihnen um 5 15 los. Max
    frei, Milan am Halfter. Diesmal sind sie von Anfang an sehr ruhig und
    halten auf Kommando an ohne mich noch anzurempeln. Sehr schön. Da hab
    ich eigentlich gar nichts zu tun. Diesmal laufe ich an den ersten
    Häusern vorbei und überquere die Strasse, da kommt natürlich auch gleich
    ein Mensch, MENSCH!, vorbei, wie fürchterlich für Max. Da sind sie dann
    doch aufgeregt, laufen schneller, halten nicht gleich an auf Kommando.
    Auf dem Rückweg nützt Max das frei laufen zu stark aus in dem er sich
    immer zurückfallen lässt und an vielem Schnüffelt und probieren will.
    Daher nehm ich ihn dann am Halfter und lass Milan laufen. Kaum ist Max
    am Halfter wirkt er sehr konzentriert. Dann fängt Milan an viel zu
    schnüffeln und erst weiterzulaufen, wenn Max ihn nach vorne zieht. Also
    muss ich aufmerksam sein und ihm ab dem Moment wo er denn Kopf nach
    unten tut hinten anklopfen (soll ich vorher Kommando geben?). Danach
    üben wir nur noch Füsse heben und da sie mittlerweile so gerne gekrault
    werden, geniessen sie das Füsse hochhalten, solange ich sie stark genug
    kraule. Max gibt sein Bein hinten links super, also hat er sich das von
    gestern nicht so gemerkt. Vorne halt ich jeweils länger, hinten immer
    noch ziemlich kurz. Ich will kein Ausschlagen profozieren.
    Tag 32
    Heute
    sind wir eine unbekannte Strecke aber durch Wald und Wiesen weit
    gelaufen. Gar kein Problem. Sie sind ruhig und stressen nicht mehr so
    von hinten. Obs an der gewonnenen Erfahrung oder an der eventuell noch
    immer unangenehm zu spührenden Kastration liegt, kann ich nicht sagen.
    Max
    findet im Moment generell ziemlich viel erstmal angsteinflösend. Wie
    gut dass Milan nicht gerade in dieser Phase steckt und ihn dann
    mitzieht. Heute hatte Max vor Heuballen angst, wohingegen Milan gleich
    reingebissen hat.
    Ich frage mich, wann man anfangen kann und soll
    mit der Feinarbeit. z.B. laufen sie manchmal ziemlich dicht hinter mir
    und treten mir gelegentlich hinten in die Ferse oder laufen bei «halt»
    noch weiter bis sie mich berühren. Irgendwie scheint es mir noch zu früh
    und ich möchte sie nicht demoralisieren. Andererseits ist Respekt und
    Abstand von mir lernen auch nicht zu verachten.
    Es ist aber so
    schön, dass wenn ich «zusammen» sag zwei Kälbchen gleichzeitig starten
    zu laufen und wenn ich «halt» sag gleichzeitg stehenbleiben. Was
    natürlich alles noch nicht immer klappt, aber immer öfter.
    Beine
    hoch nehmen mit Max hat super geklappt. Hinten habe ich seine Beine auch
    lange nach vorne heben können ohne Tretreflex und vorne hab ich sie
    nach hinten umgeknickt. Milan hingegen hatte gar keine Lust und hat
    hinten sehr versucht zu treten. Auf beiden Seiten.
    Tag 33
    Heut
    mal nicht das Joch vergessen beim loslaufen. Die ersten Schritte gings
    gut, doch dann lief Milan immer extrem langsam. Ich dachte es liegt am
    Joch. Deshalb trieb ich ihn immer an, um ihm aus der unangenehmne
    Situation zu bringen, wenn das Joch zu nah an den Ohren ist. Öfters hats
    funktioniert, dass er nur aufs Stimmsignal schneller lief, doch
    irgendwie war seine absolute Tendenz hinter Max zu sein. Da ich keinen
    Grund darin sah ihn nur anzutreiben, nahm ich das Joch nach 300m ab.
    Erstaunlicherweise blieb es aber danch das selbe, d.h. es lag nicht am
    Joch. Nur Antreiben ist nicht gut, deshalb drehte uns wieder Richtung
    nachhause. Dann gings auf einmal mit Milan gut. Also weder Joch, noch
    Kastrationsschmerzen. An dem Punkt, wo ich das Joch abgelegt hatte tat
    ichs wieder drauf und ab da wars kein Problem mehr. Also liefen wir noch
    am Zuhause vorbei. Irgendwann hat sich aber die Lederriemen immer
    gelöst. Dafür brauch ich ne andere Lösung.
    Max war das ganze Joch
    ziemlich scheissegal. Er hat sogar ziemlich schnell und ohne Stress
    rausgefunden, dass er nur seine Kopf nach oben machen muss, damit es
    nach hinten, also weg vom Kopf rutscht.
    Wieder zuhause lies ich sie
    erst samt Joch angebunden stehen und nahm dann die Füsse hoch. Es klappt
    schon, aber der Loslassimpuls von ihnen selbst ist noch so schwach,
    dass ich viel Kraft aufwenden muss. Sie habens einfach noch nicht
    verstanden. Auch nicht, dass ja dann das Gleichgewicht anders sein
    wird. Das braucht noch - braucht noch.

  • Das Halfter an und abziehen, das mögen sie gar nicht.

    mach mal ein Bild von den Halftern - es gibt Alternativen ;-)

    Irgendwann hat sich aber die Lederriemen immer
    gelöst. Dafür brauch ich ne andere Lösung.

    im ersten Joch was nicht zum Ziehen gedacht ist nur zum Üben hab ich Wasserschläuche genommen, richtig wie Bogen, mit Loch und Splint; den jeweils geraden Bogenteil könnte man einfach mit einem hineingesteckten Stück Holz verstärken

  • Susi, das klingt interessant mit dem Bogen. Bei mir ists einfach ein langer "Stock" mit Einkerbungen für die ca. 4 cm Lederstreifen, die um den Hals rum liegen...


    Derk-Jan, ja, wir habens geschafft.....nach 2 1/2 Monaten ;-)

  • Tag 34:
    Diesmal gleich am Anfang das Füsse heben. Bei beiden war bei zweien der Füsse der Impuls des Entlastens sofort da.
    Wieder mit Joch losgezogen, und musste ich Milan ständig auffordern, weil er sich immer hinter Max zurückfallen lies. Meistens hat dies aber allein mit der Stimme geklappt. Den Anfang des Dorfes kannten sie ja schon und die Strasse und waren schön ruhig. Dann hab ich einen grossen Fehler gemacht, weil ich nicht weiter nachgedacht habe. Ich lief also ins Dorf rein und auf einmal waren da zwei grosse Hunde hinterm Zaun die wahnsinnig gebellt haben. Das war zuviel für die beiden. V.a. für Milan, auf dessen Seite sie bellten. Schritt für Schritt hab ich ihn weiter gebracht, doch auf einmal wars vielzuviel und er hat versucht, ja was, umzudrehen? wegzulaufen?. Hatte nur Max am Halfter (auch ein Fehler im Nachhinein, bei neuen Orten besser beide am Halfter) und so hat Milan es geschafft sich heillos einzudrehen im Joch und im Kälberstrick bis er schliesslich in gegengesetzte Richtung zeigte wie Max. Und ziehend ziehend, so dass ich ihn wirklich fast nicht mehr halten konnte. In der ganzen Situation haben die Hunde natürlich weiter und weiter aggressiv gebellt, so dass es keine Entspannung gab der Situation. Wie krieg ich da Milan entknotet? Hab dann irgendwie geschafft das Joch abzumachen und einfach neben die Strasse geschmissen. Dann konnt ich Milan wieder in die selbe Richtung ziehen wie Max und Schritt für Schritt gings dann an den Hunden vorbei. Doch dann warn sie durch im Kopf hatte wegen allem Angst. Also scheiss auf die Lektion dass sie erstmal ruhig werden müssen und bin umgedreht. Sie hatten es natürlich wahnsinnig eilig Richtung nach Hause (am Wegesrand noch schnell das Joch auflesen). Waren kaum zu halten. Am Anfang des Dorfes waren sie ruhig genug um zumindest anzuhalten und durchzuschnaufen und gekrault zu werden. Dann hab ich das Joch wieder drangemacht und wir sind nochmal ein paar ruhige Schritte RICHTUNG Hunde gelaufen, aber nur ein paar. Dann gings nach Hause. Ab dem Schotterweg waren sie wieder sehr entspannt und liefen schön hinter mir her.
    Puuh. meine Lektion habe ich gelernt: erst nachdenken und v.a. VORdenken und bei evtl brenzligen Situationen zweiten Führstrick zumindest dabei haben. WARTEN, denn Dorf, Hunde o.ä. kann Lothar viel besser beibringen. Hoffe sie verdaun das jetzt gut.
    Tag 35 Sonntag, Pause
    Tag 36
    Zuerst machen wir Beinarbeit, aber das klappt nicht. Beide treten nach hinten aus wie wild. Blöd. Wie mache ich weiter? Mit Kraft, d.h. ich bestehe darauf, dass ich das Hinterbein nach Vorne heben darf, oder gehe ich nochmal einen Schritt zurück und mach langsam, also nur kurz vom Boden aufheben und dies nicht mal hoch? Eigentlich haben wir ja noch Zeit genug, damit sie das lernen.
    Beim laufen, solange wir auf Schotter gingen war Milan wieder hinten dran. Ab dem Moment wo wir aber auf die Wiese abbogen lief er schneller. D.h. bei ihm ists einfach eine Gemütssache. Über die Wiese waren beide wieder eher schnell und dann klappts auch nicht so gut mit dem halt. Erst wenn sie langsam laufen und konzentriert halten sie sofort und gleichauf an.
    Da die Rundballen noch auf der Wiese liegen laufen wir schön Slalom um sie herum immer mit rechts und links Kommando, aber ich erwarte noch nicht von ihnen dass sie das Kommando können.
    Bin mir nicht so sicher, wie viel ich schon erwarten darf und soll. Sehe ich in Allthingsoxn was die kleinen Kälbchen alles schon können, würd ich mir natürlich wünschen, dass sie das auch schon können, und vielleicht ist es ja gut, wenn sie so vieles wie möglich jetzt schon lernen. Andererseits denke ich mir, dass man da auch viel an Vertrauen verlieren kann, wenn man zuviel verlangt.
    Manchmal werd ich schon ungeduldig mit ihnen und das ist nicht gut! Im Training muss ich jederzeit ruhig und besonnenen handeln: das ist mein Training.
    Hab den Führstrick versuchsweise in den Kälberstrick eingehängt damit beide im Halfter frei sein. Dadurch brauch ich aber mehr Kraft um sie zu lenken, wenn sie mir nicht schön hinterherlaufen. Mal schaun
    Am Schluss nochmal Beine heben. Hinten nur kurz und nicht hoch. Das ging. Vielleicht sollt ich sie auch nicht nebeneinander haben, wenn wir das trainiren, weil sie dann vielliecht nicht so konzentriert sind.
    Tag 37:
    Zuerst die Beine gingen eigentlich sehr gut. Vorne, wenn ich an den Afterklauen ziehe entlasten sie automatisch das Bein und ich knicke es nach hinten ab. Dabei Kraule ich sie am Bauch, was sie sehr gerne haben. Hinten nur darauf warten, dass die Entlastung kommt, kurz anheben und fertig. Fast gar kein Tretreflex.
    Jetzt weiss ich, wieso Milan so langsam gelaufen ist in letzter Zeit. Das hat nix mit der Kastration zu tun, sondern es LANGWEILT ihn, auf der Hausundhofstrecke zu gehen. Denn kaum biegen wir in eine andere Richtung ab läuft er schnell und gleichauf mit Max oder sogar vor ihm. Diesmal sind wir die Runde gelaufen und ab dem Waldweg gingen sie flott flott aber fast ohne anrempeln (Max zweimal auf einer langen Strecke). Das Führseil war zwischen ihnen eingehängt. Lange flott gelaufen aber konzentrierteres flott als früher.
    Ich darf nicht mehr die Hausundhofstrecke laufen, denn Milan wird stumpf durch das viele Antreiben. Wie machen das die Menschen, die nicht viel Auswahl haben? Dieses gelangweilt-also-lauf-ich-ewiglangsam kenn ich jetzt von all meinen Ochsen.
    Das Joch verursacht ihnen keinerlei Stress mehr, auch wenn sie sich mit ihren Hörnern irgendwie einhaken passiert gar nichts.



    Tag 38
    Sehr gutes Training. Bin eine grosse Runde gelaufen und nach halber Strecke sind sie tatsächlich auch eine längere Strecke gleichauf gelaufen. UND Max hat die ersten Anzeichen gemacht auf das Hü Stimmsignal zu hören. Wohingegen Milan im Moment nicht so Lust hat auf Stimme zu reagieren und eher desinteressiert ist an allem.
    Tag 39.
    Haben links und rechts um die Ballen herum geübt. Wie soll das je ohne Leine gehen?

  • Tag 40 Transport, aber erst um Mitternacht. Da Gewitter aufzieht
    führe ich sie erst um 11 im Dunkeln an den abgesprochenen Platz. Beide
    laufen mir im Stockdunkeln sehr vertrauensvoll hinterher und fangen
    unter den Bäumen gleich an zu grasen. Da der Transporteur so spät kam,
    hab ich mich nicht getraut das Verladen mit Zeit zu machen. Ich nahm
    Milan, Bela den Max. Milan war eigentlich interessiert, doch hat dann
    bei der Klappe Widerstand geleistet. Zusammen haben wir ihn
    einigermassen hoch bekommen und ab dem Moment wo er oben war, war er
    ruhig. Max hingegen hat sich mit aller Kraft gewehrt und war dann auch
    im Hänger unruhig. Los gings.
    Tag 41 Sie sind gestresst aber heil
    (Max gar ohne Halfter) nach 15stündigem Transport angekommen und werden
    im Stall eingesperrt. Sie machten einen vitalen und interessierten
    Eindruck und habe es als selbstverständlich genommen, dass ich dann auch
    kam. Nur an der Gesichtsphysiognomie hat man gesehen, dass sie
    gestresst waren. Ich steichle sie, gebe ihnen die Milch und bin da,
    lasse sie aber in Ruhe.
    Tag 42 Nachmittags nehm ich die Kälbchen
    kurz raus und lauf mit ihnen vor dem Hof auf dem Platz. Halt geht nicht,
    dafür sind sie zu aufgeregt, aber sonst gehts sehr gut dafür, dass
    alles so neu ist. Danach mache ich die Stalltür auf und lasse sie zu
    Lotte und Paula auf die Wiese. Obwohl sie nicht mal halb so alt sind wie
    die beiden, jagen sie die zwei grossen Rinder über die Wiese. Sind sehr
    sehr selbstbewusst obwohl das Gesicht noch angespannt wirkt.
    Tag 43 ich fahr weg und lauf dann 1 1/2 Tage mit Lothar zu ihnen.
    Tag
    44 Lothar kommt an. Zuerst lass ich sie über den Zaun beschnüffeln,
    doch dann tu ich sie schon zusammen, da es draussen so heiss. ist.
    Lothar geht gleich fressen und interessiert sich gar nicht. MuM
    schnüffeln und riskieren dafür fast einen Tritt. Das Flaschegeben
    interessiert ihn dann doch so, dass er näher kommt und auch schlecken
    will.
    Tag 45
    Eigentlich hatte ich vor sie heute nur sich
    kennenlernen zu lassen, doch tut sich da so wenig, dass ich doch gleich
    ins Training gehe. Die Kutsche ist leergeräumt und Lothar wird
    davorgespannt. Milan wird rechts und Max links von ihm angeleint und los
    gehts. Stress für MuM. sie laufen eher nach vorne und ziehen
    kontinuierlich nach vorne.
    Es stellt sich heraus, dass das Gespann
    so zu breit für die Strasse ist. Um nicht mit Stress aufzuhören laufe
    ich danach nur mit MuM die selbe Strecke, also einmal um den Hof herum.
    Dafür, dass da ja so viel Neues steht sind sie entspannt.
    Abends
    probiere ich Max hinter Milan an die rechte Seite der Kutsche zu binden
    und laufe den Berg hoch und wieder runter. Milan wirkt schon entspannt
    und zieht nicht mehr nach vorne, Max hingegen (da er allein hinten ist?)
    zieht extrem nach vorne. Auch nicht zufriedenstellend
    Tag 46.
    Also
    binde ich heute beide hinten an. Das hab ich bisher abgelehnt, da sie
    sich da so wenig von Lothar abschauen können und ich wenig Einfluss auf
    sie haben kann. Doch das funktioniert einwandfrei. Kein Geziehe, Stress
    o.ä. Von hinten kommt sogar ein Auto, doch dem weichen sie gut zur Seite
    aus. Führstricke sind zu lang, einer kann immer die Kutsche überholen
    und zieht dann wieder nach vorne. Da sie mit Kälberstrick miteinander
    verbunden sind kann dies immer nur einer tun und so sind sie glatt
    voneinander angepisst weil jeder eigentlich auf seiner Seite nach vorne
    kucken will. Wir laufen bis zur Sonne und wieder zurück. Ein schöner
    Ausflug
    Tag 47 Heut laufen wir die grosse Schillingerbergrunde, also 2
    h. Max macht dazwischen auch mal schlapp, wenn Lothar zu schnell wird
    und lässt sich ziehen. Blöd. Aber solange er langsam läuft ist alles
    gut. Ein weiteres Auto kommt von hinten wirkt sich aber nicht stressvoll
    aus. Sehr gut. hab den Eindruck, dass es ihnen hinten sogar schon
    langweilig wird, weil sie nicht so viel kucken können, dabei ist ja noch
    nicht mal die Plane drauf. Füsse heben klappt ganz gut. Ich glaub ich
    hab jetzt endlich den Punkt gefunden, von dem Daniel gesprochen hat, wo
    alle Muskeln entspannt sind. Damit werd ich jetzt mal weiterüben. Vorne
    geht sehr gut. Klauen laufen sich schon ab. Muss Material besorgen...



    Tag47
    Das mit dem Entspannungspunkt bei den Hinterbeinen ist der Schlüssel für das Vorrankommen beim Beineheben Hinten. Das bedeutet keinen Stress für sie und so konnte ich heute die Hinterbeine schon nach hinten wegbiegen. Wie lange habe ich gebraucht um das zu lernen!!!
    Heute hatte ich die Plane auf der Kutsche doch MuM hat das nicht gestresst. Max lässt sich ziehen, wenns ihm zu schnell wird. In der Hinsicht ist es sehr gut, dass Lothar grad nicht so schnell läuft.
    Nachmittags sind wir noch mit Pferd dem Sulki und allen Kindern und MuM im Joch auf Tour gegangen. Es war Güllenachmittag so kamen ständig Traktoren von vorne und von hinten. Beim ersten standen wir, das war kein Problem, beim zweiten liefen wir und das hat v.a. Max nicht gefallen. Es kamen noch Autos und Roller, doch wenn wir standen hats gut funktioniert. Wir sind hinter der Pferdekutsche gelaufen so waren sie langsam . Auf dem Rückweg kam Wind auf, starker Wind und alle waren durch: Kinder, Kälbchen, Pferd. Da war nur noch Druck Richtung nach Hause. Ab dem Moment wo wir im Wald gewesen waren war wieder alles entspannt und ruhig.
    Ich finde die beiden haben auf alle neuen Situationen super reagiert, sind eine weiter Strecke auch ruhig geblieben und bei den Traktoren. Nicht alles lief glatt aber bin zufrieden.



    ohoh....nach Tag 47 wurde Eva zu faul zum Aufschreiben...

  • Hallo Eva, ich hab gerade wiedermal deinen Blog und die Einträge hier gelesen. Komm leider nicht so oft dazu wie ich möchte! Ich mag deinen Schreibstil und natürlich was du schreibst!Irgendwie hat man da immer das Gefühl etwas "dabei" zu sein! Wir wünschen dir und deinen Gefährten alles Gute und hoffen dich bald wieder mal zu treffen!

  • Hallo
    Ich kann mich Hödlgut nur anschließen.... es ist sehr interessant zu lesen und für jemanden wie mich der auch mit dem Gedanken spielt ein Rind auszubilden eine prima Anleitung.
    Weiß nicht ob ich es evtl. übersehen habe, aber wie alt waren Max & Milan als sie kastriert worden? Wurden sie richtig kastriert (herausnahme der Hoden) oder mittels Burdizzo-Zange die Samenleiter gequetscht?
    Würde mich freuen nochmal von Max & Milan zu hören.
    MfG Patrick