Losreißen

  • Wie schön, dass er neugierig geworden ist und sich zum Mitkommen entschieden hat. Ein Riesenfortschritt.
    Vielleicht könnt ihr euch ja langsam zur Hauptstrasse vortasten.


    Wenn ich mit einem Tier an einen Ort gehen will, von dem ich denke dass er wahrscheinlich eine Überforderung darstellt, suche ich mir zunächst einen Anbindeplatz in der Nähe. Nehme einen Sack mit Heu mit und stehe da rum, bis der Sack leer ist.
    Nach ein, zwei Stunden verliert jeder Ort seinen Schrecken und man erkennt die Rhythmen und Gleichmässigkeiten der Geräusche und Bewegungen. Auch der belebteste Ort hat etwas Statisches. Alle drei Minuten kommt der Bus. Alle 20 Sek. wechselt die Ampel. Wenn ein Lastwagen über den Huppel fährt scheppert^s, ...
    Ich glaube ich würde erstmal hingehen. Rumstehen / Fressen/ wieder nach Hause gehen.


    Schritt zwei wäre: "gleichmässig laufen". Stehenbleiben vermeiden und auf^s Gehen und die Bewegungsrichtung konzentrieren. Gleichmässig Laufen ist in schwierigen Situationen oft einfacher/ sicherer als Stehen.
    Sobald der steht, denkt er nach.
    Was soll ich bloss tun? Renne ich zurück? Springe ich nach vorne? Springe ich zur Seite?...
    Dann weiss man nicht wozu er sich entscheidet.


    Wenn er sich zum Mitkommen entschieden hat und von Deinen Bewegungen ablesen kann dass "gelassen weiterlaufen" gut ist, macht er es Dir wahrscheinlich nach. Anhalten zu müssen ist in so einem Fall doof. Falls man auf der Strasse läuft ist es dann gut wenn man eine zweite Person bitten kann mitzukommen und die Autos abzubremsen oder anzuhalten.
    Oft laufe ich mitten auf der Strasse, bis gebremst wurde. Viele Auto- Fahrradfahrer verstehen "bitte langsam" nicht und fahren dann volle Kanne über den Bürgersteig. WÄÄH. Also signalisiere ich jetzt im Zweifelsfall immer gleich "Anhalten".


    Wenn ich etwas Brenzliges vorhabe lasse ich sie erst auf der Weide rennen, gehe dann die gewohnte Runde um den Stall und nur wenn ich das Gefühl habe, dass sie entspannt genug sind und auf mich achten, laufe ich weiter Richtung Strasse.
    Werden sie zu nervös, binde ich sie an, oder drehe um.


    An der Strasse laufe ich so vor ihnen, dass ich ihnen mit meinem Rücken / Arm die Sicht einschränke und während die ersten Fahrzeuge an uns vorbeirappeln lasse ich sie beim Laufen an einem Zwieback arbeiten.
    Solange die Aufmerksamkeit bei mir, oder dem Keks ist ist alles gut. Dann immer schön gleichmässig weitertrotten.


    Wenn sie zu nervös sind zum Fressen, grosse Augen machen u die Aufmerksamkeit Richtung Stall geht, binde ich sie an den nächsten Pfosten und warte, bis ich wieder bessere Chancen habe.

  • Guten Abend,
    Das mit dem Anbinden ist eine gute Idee, allerdings macht es mir etwas Sorgen wenn er panik bekommen sollte.. dan kommt er nicht weg oder zerstört alles und ist da ja dann in seiner angst bestätigt oder ? Ich glaube das wird nur im Frühling bei frischem Gras klappen, Heu oder Silage frisst er draußen nicht so begeistert das bekommt er ja drinnen auch schon..Angst hat Matoskah vor Autos normal keine, im Sommer übten wir vorm Stalltor wo er immer Stand das Autos in den Hof fahren ( ca. 3m vor ihm ) oder das sie auch auf der Straße mal hupen, hat er alles gut gemeistert, ich habe einfach angst das die auf der Straße nicht abbremsen und er dan total erschreckt.. ich denke wir werden jetzt einfach den weg zu Straße erstmal in uns vertiefen. Gestern ging er so brav seine Runden, heute war wieder so ein Tag da könnte ich verzweifeln :( nur am rückwärts laufen und am seil ziehen oder versuchen zu überholen und dan auch noch versuchen sich los zu reißen und zurück in den stall.. Manchmal merkt man schon das er einen Testet.. nach ein paar Zickereien folgt er dan auch schön seine Runden auch wenn er nicht ganz bei der Sache ist, ist er zu händeln. wenn auch anstrengender für mich. beim rückwärtslaufen wollte er heute auf einmal gar nicht mehr folgen, hab ihn dan die komplette Strecken rückwärts geschickt , da wollte er sich glatt aus dem Staub machen . . ein ruck am Seil und ein lautes Nein und er lies sich abbringen und nam seinen Platz hinter mir wieder ein. ich hoffe dass sich das alles etwas legt mit den Zickereien.. so mache ich mir schon meine Sorgen . .

  • Das wird schon. Du machst das gut. Er macht es gut. Er findet "mit Dir gehen" grundsätzlich gut. Das ist super.
    Er will bei Dir sein.
    Ihr steht in Verbindung. Kommuniziert, diskutiert. Unter anderem über das Seil.
    Er gibt sich Mühe und er ist kein Doofi. Ihn interessieren jetzt die Feinheiten. "Wo soll ich genau sein?" "Wie reagiert sie, wenn ich vor ihr gehen will?" "Wie, wenn ich rückwärts krieche?" Er probiert jetzt so dies und das aus um den genauen Rahmen rauszufinden. Macht Tests und Vorschläge.


    Ihn weiter rückwärts zu schicken, als er anstatt vorwärts zu laufen rückwärts gekrochen ist, war eine gute Idee.
    Das er nach einer Weile versucht hat "sich aus dem Staub zu machen", lag wahrscheinlich daran, dass er sich - weil es so lang gedauert hat - nicht mehr sicher war, ob das Rückwärtsgehen jetzt eine Aufgabe war, oder ob Du ihn wirklich wegschicken wollest. Da dachte er, "sie meint es ernst. Sie will mich hier nicht haben. Da verschwinde ich besser."


    Das Schwierige ist, bei der Korrektur von unerwünschtem Verhalten, so stoisch und emotional unbeeindruckt wie möglich zu bleiben und trotz eigenem Ärger ans Loben und Pausemachen zu denken, sobald es irgendetwas gibt was man loben kann.
    Er will den genauen Rahmen wissen und stellt gezielt Fragen: "Wieviele Schritte vor Dir, hinter Dir, neben Dir soll er gehen?" "Wo genau soll die Schulter sein?" "Wo die Nase."
    Gib ihm genaue Antworten. Nimm etwas Tempo raus. Ihr habt keinen Streit. Es geht um genaue Positionen und Bewegungsrichtungen.


    Wenn meine Tiere mit etwas Aufhören sollen (z.B. rückwärtskriechen), lasse ich sie meistens erstmal anhalten.


    "hoo" (Das kann ich dann schon wieder loben.)
    2 Sekunden stehen. (Kraulen für^s stehenbleiben. Das Tier entspannt sich, ich denke nach, was ich wollen könnte, das ich vielleicht durchsetzten kann. Manchmal ist es nur ein Schritt in eine bestimmte Richtung.)
    z.B. "zurück" oder "links" (Nicht länger als 3-4 Sekunden)
    "hoo" (klares Ende der Miniaufgabe, wieder loben / ein paar Sekunden stehen, entspannen, nachdenken, nächste Miniaufgabe)


    Rinder sind grosse Tiere. Sie denken: Fuss für Fuss, für Fuss.
    Gib ihm "Fuss, für Fuss, für Fuss" seine Kommandos. Im Rhythmus der gewünschten Bewegung.
    Je genauer, umso besser.


    z.B. "zurück":
    Immer das Vorderbein mit dem Gertenknauf anticken, das er zurück bewegen soll. Später wie mit einem Blindenstock vor dem Fuss auf die Erde ticken. Genau in dem Tempo das er machen soll / und gut machen kann


    Wenn er eine Wendung machen soll genau überlegen:
    Zuerst muss der Blick in die Richtung, (Zupfzeichen mit dem Seil, oder Wedel, Wedel mit der Gerte vor dem anderen Auge, oder locken).
    Dann die Schulter (für Linkskurve: rechte Schulter anticken, für Rechtskurve: linke Schulter anticken)
    Dann muss der Hintern rum. (Falls nötig mit Gerte oder Finger etwas antippen)


    Also: Blick, Schulter, Hintern.


    Bei jeder Etappe kann man wieder eine oder zwei Sekunden Pause machen zum Entspannen, (falls nötig länger), wenn schwierig : jeden Minischritt loben und sich Freuen wenn^s klappt.


    Wichtig ist, dass jede gewünschte Bewegung als Aufgabe verstanden wird, die einen klaren Anfang und ein klares Ende hat.


    So kann man sich langsam vortasten. Das was klappt vertiefen und immer mal wieder zum entspannten Neustart "Stehenbleiben" oder eine Stufe zurück. Das macht Spass und ist nicht so anstrengend. Wirst sehen!

  • heute hab ich sogar was sehr interessantes herraus gefunden. Vorgestern als er so schön folgte hab ich ihm nach dem misten schon gefüttert ( normaler ablauf : misten,Training, füttern ) weil er etwas warten musste bevor wir raus gingen. gestern bekam er nichts zu fressen und war wirklich nicht bei der sache. Heute hab ich ihn geziehlt vor dem raus gehen wieder gefüttert und siehe da er ist bei der Sache, geht gern seine Runden, befolgt Kommandos, bleibt hinter mir, orientiert sich an mir und wir konnten uns sogar näher zur Straße vorarbeiten. Oftmals sind es wirklich so kleine Dinge die so viel ausmachen. Ich denke auch er kann Mitarbeiten wenn er will, testet aber doch noch sehr viel wo ich jetzt wahrscheinlich durch muss. Ich bin oft selbst erstaunt wie ich aus diesem scheuen jährling der sich nicht einmal anfassen ließ diesen tollen Partner gemacht habe und ich hoffe echt das alles so klappt wie ich mir das vorstelle.

  • so Kommandos wie steh, los, back ( rückwärts ) befolgt er normal auf kommando oder zumindest auf leichte hilfen mit der gerte. auch im stall wenn er nicht angebunden steht. auch Füße geben beherrscht er mittlerweile auf kommando. er lässt das alles auch sehr gerne ins Training einbauen.

  • super, dann hast Du^s ja rausgefunden!


    Das einzige was mit leerem Bauch denken können ist: Das da was rein muss. :)

  • Hallo,
    was macht ihr den bei Fehlverhalten ? Matoskah folgt jetzt so weit das wir an den ersten wiesen vorbei gehen.. und jetzt rennt er immer die wiese ein paar meter runter, ich ignoriere das ganze dan kommt er auch schnell wieder hinterher aber muss ihn jetzt richtig streng am strick halten.. erst konnte dieser durch hängen, legt sich das wieder ?
    Ich versuche mal ein Bild mit einzufügen auch wenn dieses schon fast 1 jahr her ist aber damit ihr euch etwas verstellen könnt wer wir sind ;)

  • Ein hübscher Kerl. Danke für das Bild.


    Das Rennen ist Übermut und Spass. Ich würde ihm dafür einen Ort einrichten. Wenn es auf der Weide ok ist, würde ich es genauso machen wie Du und mich einfach daran freuen. :)
    Abwarten, bis er sich ausgetobt hat und dann mit dem Training weitermachen.
    Wenn der Übermut weg ist, hängt auch der Strick wieder durch.


    Etwas anderes: Es gibt "Nasenringhalter", die an den Hörnern befestigt werden, über die Stirn zum Nasenring laufen und ihn hochhalten, so dass er oben flach auf der Nase aufliegt. Kann man auch einfach ein Seil für nehmen.
    Ich habe das Gefühl, dass es für die Tiere angenehm ist, wenn der Ring nicht permanent in Bewegung ist. Es besteht dann auch weniger die Gefahr, dass sie sich mit dem Ring irgendwo an der Stalleinrichtung einhaken und hängenbleiben.


    (Ich hab mal einen Ochsen gesehen, der sich die Nase geschlitzt hat, weil der Ring am Fressgitter hängengeblieben ist und er Panik gekriegt u ihn rausgerissen hat)

  • Hallo :) Danke er ist wirklich ein schönling :) de letzten 2 tage hab ich das mit der übermut so gelöst das wir ein kurzes stück der strecke laufen :) dabei folgt er auch und bleibt hinter mir, lässt sich auch schön abbremsen :) seitdem ist er auch gelassener und arbeitet wieder etwas besser mit. Das mit dem Nasenring ist so ein Ding, er lässt sich da überhaupt nicht anfassen.. ich hatte ihn damals beim kastrieren mit rein machen lassen als "notbremse" sollte er später jemanden angreifen .. bisher war das aber nicht der Fall und ich warte nur noch bis mein klauenpfleger kommt damit ich den Ring entfernen kann wenn er fixiert ist.

  • Die Waldegg Ochsen Fritz und Falk hatten auch Nasenringe, die mit einem Lederhalfter hochgehalten wurden


    http://waldegg.ch/index.php/bilder.html


    Die Schmuckvariante sah so aus:
    http://www.polizeinews.ch/osts…lerland/357874/detail.htm


    Ich selbst hatte bislang kein Tier mit Ring. Habe das Gefühl es macht sie Kopfscheu.


    Schreib mal, ob und inwiefern sich bei Deinem das Verhalten ändert, wenn der Ring raus ist.

    Edited once, last by Anne ().

  • Matoskah ist ja so überhaupt nicht kopfscheu, auser man fasst Richtung nasenring.. es ist halt auch so das Fremde ihn immer geziehlt am Ring greifen.. deshalb lässt er sich von Fremden gar nicht gerne anfassen auser an der stirn oder halt am körper wenn ich dabei stehe.

  • facebook geht bei mir nicht, nein, ich werde mich nicht dort anmelden


    Anne, schau Dir mal die Nasenringe auf Deinen Bildern an, ich denke, das sind Nasenzwicker oder spezielle Ringe;
    man müßte bei Matoskah abklären
    1. sitzt der Ring richtig oder ist er schon im knorpeligen Bereich der Nasenscheidewand - dann tut er weh, permanent
    2. ist der Ring zum hochklappen geeignet; dazu müßte er sehr groß (groß genug) sein oder eben queroval, weil er sonst immer oben an der Nasenschleimhaut drückt, dort wird die Nase ja schon wieder breiter

  • Hallo,
    Also Hochklappen könnte man ihn nicht.
    Weh tut er denke ich auch nicht, sonst würde er nicht überall gegen schlagen damit .
    Wenn man seitlich hin sieht, dann erkennt man auch das der Ring super sitz. Wurde von einem Tierarzt unter Vollnarkose gelegt aber ich empfinde ihn als störend und Toska bestimmt auch .

  • ich bin so der typ ich will ihn nicht extra deshalb schlafen legen, das ist extrem Stress für Toska, der benötigt ja viel mehr Sedierung als andere Rinderrassen. Deshalb warte ich immer noch auf den Klauenschneiden da ist dann der Kopf fixiert und dan schneiden wir den raus. Ich kann halt nicht genau sagen wann der kommt der meldet sich immer wenn er grad in der nähe ist sonsd müsste er ja nur wegen Toska 40km fahren . . ich denke das bisschen zeit hält Toska noch aus immerhin trägt er den Ring fast 1 1/2 jahre aber entfernen will ich ihn aufjeden fall.

  • beim Ring rein machen wurde er ja gleichzeitig kastriert sonsd hätte ich den Ring nicht extra legen lassen.