Beim Holzrücken im Lorscher Wald

  • Hallo zusammen,


    anbei ein paar Impressionen von unseren beiden letzten Holzrückaktionen im Lorscher Wald.


    Wir arbeiten mit Rätischem Grauvieh. Das Holz (Eiche) ist für ein Hausbauprojekt in unserem archäologischen Freilichtprojekt. Alle Baustämme wurden von uns mit rekonstruierten mittelalterlichen Werkzeugen portioniert.




    Beste Grüße
    Claus Kropp

  • Hallo schöne Bilder! Man sieht schön wie er arbeitet! Ist das der Wagen vom Florian Staudner? Gratulation

  • Ja, das ist der Wagen von Herrn Staudner.


    Wir wollten eigentlich mit dem Leiterwagen das Holz bis zum Freilichtgelände fahren, mussten allerdings nach einem Probelauf feststellen, dass die neun Kilometer hin und zurück zuviel für die Rinder gewesen wären. Man muss auch bedenken, dass wir momentan noch ohne Klaueneisen arbeiten, dies auf dem notwendigerweise zu benutzenden Asphalt aber nötig gewesen wäre.

  • Wagen mit drehbarer Deichsel gabs schon in der Bronzezeit. Auch Speichenräder waren bekannt. Von den ersten vierrädigen Wagen wird vermutet, daß sie nur geradeaus fuhren und in Kurven zur Seite gehoben wurden. Beim Treffen abends habe ich mit der Wiener Archäologin drüber gesprochen (Namen leider vergessen) und sie meinte, das kann man auch ganz anders sehen: daß die Wagen von Anfang an lenkbar waren.


    Heben Elefanten nicht Baumstämme mit ihren Stoßzähnen? Kühe könnten ja auch mit den Hörnern... ;-)

  • Wagen mit drehbarer Deichsel gabs schon in der Bronzezeit.

    drehbare Deichsel? Du meinst Vorderwagen? Drehkranz? Ich mein am Anfang hätt sich das alles nur Holz auf Holz schiebend getan ... Ich dachte immer die alten Römer wären noch ohne unterwegs gewesen (mit ein Grund warum deren Straßen so penetrant geradeaus waren?) Wenn das früher ging wärs ja eine erhebliche Erleichterung gewesen. Ich seh schon, da muß ich nochmal graben ...

  • Genau, dass, was heute der Drehkranz ist, meinte ich damit. Vielleicht hatten sie so etwas ähnliches wie ein Lenkschemel. Gefunden wurden viele Räder, wenige Achsen und ganz selten Teile vom Aufbau.

  • gibts bei den Rädern einen Zusammenhang?
    finden sich immer 2; oder finden sich immer 4? 4 gleich große? 2 und 2 gleich große?
    ich seh schon es bleibt spannend ;-)

    "Aber ich kann nicht so tun, als wüsste ich nicht von dem Leid der Menschen, die hier Zuflucht suchen." Sarah Connor, 15.10.2015


    "Wenn ein Fremdling bei Euch wohnt in Eurem Lande, den sollt Ihr nicht bedrücken. Er soll bei Euch wohnen wie ein Einheimischer unter Euch, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst." 3.Buch Mose

  • Muss ich nachlesen, komme aber erst morgen dazu.


    In einigen Gegenden wurden Wagen mitbestattet, das waren sehr aufwendig extra zu diesen Zweck gefertige vierrädige Prunkwagen. Außerdem sind viele Felsritzungen bekannt, auf denen Wagen dargestellt werden mit einem Rinderngespann. Bei vielen Ritzungen steht die Deichsel geradeaus, aber bei einigen steht sie auch schräg zum Wagen. Das und mehr steht in einem Buch, das ich heute nachmittag vergessen habe mitzunehmen.

  • Hallo, hatte mich festgelesen...


    jetzt aber: so genau läßt sich das nicht sagen. Es kommt ganz auf die Fundstelle an und wo sie Räder gefunden wurden, ob im Moor, feuchtem Boden oder in der Steppe. Im Moor blieben viele Räder vollständig erhalten, oft lagen sie an Wegrändern und waren zerbrochen oder wurden in Gruben zum wässern gelegt (und vergessen). In der Steppe Asiens gab es viele Bestattungen mit Wagen, allerdings ist da kaum Holz erhalten geblieben. Anhand der Metallbeschläge erriet man die grobe Form und vier Räder. In Europa fanden sich wahrscheinlich zurückgelassene Wagen in der Nähe der alten Siedlungen. Die Räder standen noch aufrecht im Boden aber waren nur noch bis zu den Achsen erhalten. Wie viele Achsen und wo - dazu fand ich nichts.
    Im Grunde kennt man nur die Form und Bauart der Räder und die Spurweiten durch die Achsenfunde. Und natürlich die grobe Form aus Felszeichnungen und die meistens haben sie vier Räder (Ich kenne keine Bilder von zweirädigen Wagen, deswegen "meistens"). Der Rest ist weitgehend Fantasie und vermutlich gut geraten.