Ackerwagen / Mistwagen

  • nachfolgend das Bild eines Ackerwagens, hergerichtet mit einem sog. Mistbrett (statt Leiter)
    mist.JPG


    das Mistbrett kann ich so herum auflegen:
    mist1.jpg


    oder so:
    mist2.jpg


    wie rum gehört es oder ist das egal?
    warum gehört es so?

    "Aber ich kann nicht so tun, als wüsste ich nicht von dem Leid der Menschen, die hier Zuflucht suchen." Sarah Connor, 15.10.2015


    "Wenn ein Fremdling bei Euch wohnt in Eurem Lande, den sollt Ihr nicht bedrücken. Er soll bei Euch wohnen wie ein Einheimischer unter Euch, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst." 3.Buch Mose

    Edited once, last by marieclaire ().

  • besser?

    "Aber ich kann nicht so tun, als wüsste ich nicht von dem Leid der Menschen, die hier Zuflucht suchen." Sarah Connor, 15.10.2015


    "Wenn ein Fremdling bei Euch wohnt in Eurem Lande, den sollt Ihr nicht bedrücken. Er soll bei Euch wohnen wie ein Einheimischer unter Euch, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst." 3.Buch Mose

  • Ist diese Einkerbung links und rechts bzw. vorne und hinten? Eventuell könnte man da einen Stecken reinschieben und ein abrutschen nach hinten bzw. vorne zu verhindern.

  • Ich würde das Brett mit der Einkerbung nach unten nutzen, weil ich dann (mit einer zweiten Person) eine wunderbare Anpackmöglichkeit hätte, um das vom Mist verschmutzte und sicherlich glitschige Brett bei Bedarf abnehmen zu können.

  • so ist es; auch kann ich mehr zuladen wenn der Wagen halb voll ist und ich das Brett noch 10cm höher zieh


    die Einkerbung ist vorn und hinten, jeweils nur am oberen Brett;
    auseinander und an den Wangen gehalten werden sie durch trapez-förmige Bretter vorn und hinten, die in einem Schlitz stecken

    "Aber ich kann nicht so tun, als wüsste ich nicht von dem Leid der Menschen, die hier Zuflucht suchen." Sarah Connor, 15.10.2015


    "Wenn ein Fremdling bei Euch wohnt in Eurem Lande, den sollt Ihr nicht bedrücken. Er soll bei Euch wohnen wie ein Einheimischer unter Euch, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst." 3.Buch Mose

  • Hallo!
    Mein Großvater hat mir mal erklärt, dass das linke Brett bei halbentladenem Zustand ausgehängt wurde, um den Mist während der Fahrt mit dem Misthaken herunter zu ziehen. Dazu wurde noch eine Kette gebraucht - das könnte die Kerben erklären.
    Ich werde ihn im Laufe des Tages mal heimsuchen um Genaueres zu erfahren.
    Viele Grüße aus Oberfranken!
    Florian

  • Die Mistfuhre wurde hinten und vorne nie ganz Senkrecht ,sonder etwas schräg aufgeladen .So war der Teil zum reingreifen um das Brett hochzuheben nicht so dreckig.

  • Ein Fahrgestell, zwei Aufbauten ...


    Die alten, hölzernen, eisenbereiften Wagen für vorwiegend landwirtschaftliche Zwecke, Land auf, Land ab in zig unerschiedlichen Variationen gebaut basieren, wenn auch mit kleinen, feinen Detailunterschieden auf dem gleichen Prinzip, im Grunde der gleichen Bau-Art:


    - auf einem Fahrgestell wurde, je nach Verwendungszweck ein geschlossenen (Dungwagen) oder ein offener (Leiterwagen) Aufbau verwendet.


    Kleine und kleinere Wirtschaften hatte ja zumeist nur einen einzigen Wagen, denn so ein Gefährt kostete auch zur damaligen Zeit schon eine stolze Summe, hatten doch Wagner und Schmied unzählige Teile und Kleinteile in Handarbeit anzufertigen, anzupassen und zusammenzufügen bis so ein Wagen betriebsfertig war.
    In größeren Berieben war zumeist ein, mit Leitern aufgerüsteter Wagen ganzjährig, zumindest aber über das Sommerhalbjahr sowohl zur täglichen Grünfuttereinfuhr, als dann auch zur Heu / Grummet- und Getreideernte im Einsatz. In kleineren Betrieben dagegen wurde, nach dem der Dünger ausgebracht und im ausgehenden Frühjahr die vielfältigen Feldarbeiten weitgehend erledigt waren der Wagen vom Kasten- zum Leiterwagen für die Heu / Grummet und Getreideernte umgerüstet, und der Bretteraufbau gegen die "Heuleitern" getauscht.


    In Oberhessen unterschied man das auch namentlich zwischen dem "Dungert's"-Wagen und dem "Lodder" (Leiter) - Wagen.


    Allerdings war eine solche Auskerbung in den Dungerten, wie die Seitenwände des "Dungert'swagen" hier hießen gegenüber den auf obigen Bildern gezeigten eher unüblich.


    Mancherorts schloß die "Dungert", also der Seitenwandaufbau unten wie oben in einem Rundholz, ähnlich wie beim Leiterwagen, und der "Brell" = die Brille, also die Vordere- und hintere Stirnwand wurden auf diese Rundhölzer aufgesteckt und mit Stecklingen / Splinten gesichert/verschlossen. Es gab auch die Ausführung, bei welcher die Stirnwände auf dem unteren Rundholz "nur" in eine Auskerbung eingesteckt und die "Brille" nur oben versplintet wurde.



    In anderen Bauarten wurden für die Seitenwände Bohlen verwendet, die dann weiter nach oben mit etwas schmaleren und leichteren Brettern weiter aufgestockt werden konnten, und die Stirnwände wurden zwischen je zwei, innen horizontal verlaufende Kanthölzer eingeschoben.



    Auch waren diese Bohlen oder Aufsatz- / Aufsetzbretter zuweilen nach vorn und hinten - über die Stirnwände hinausgehend länger gehalten und mit "Griffartigen", abgerundeten Aussägungen versehen, welche ein recht gutes anpacken und ausheben ermöglichten.



    Der Wagen mit dem "Kastenaufbau" war dann auch wesentlich kürzer - im Langbaum wie auch im Wagenaufbau - als der auseinandergafahrene "Leiterwagen".



    Würde man z.B. einen auseinandergefahrenen "Leiter-Wagen" mit Stückgut (Mist, Erde, Steine, Kartoffeln, Rüben etc.) genau so voll beladen wollen wie den kürzeren Kastenaufbau, dann würde dieser wohl an Ort und Stelle zusammenbrechen. Hingegen bekäme man auf einen zusammengefahreren "Dung-Wagen" nicht all zu viel Heu/Grummet oder Getreide aufgeladen, und es wären mehrere Fuhren und abladezeiten nötig um die gleiche Erntemenge einzbringen wie mit dem Leiteraufbau.


    Allerdings wurde beim Mis fahren, der Mist nicht etwa während der Fortbewegung des Wagens "abgehackt", sondern immer nur "Stückweise", d.h. es wurde mit dem Gespann immer nur um etwa Wagenlänge weiter gefahren, dann wurde jeweils links und rechts ein Schwad der Wagenlänge nach herunter gezogen / gehackt, und wieder um Wagenlänge weiter gefahren usw. usw.
    Mistfahren war für den Bauern oder seine(n) Knecht(e) eine recht anstrengende Arbeit, sollte am Tag auch was "weggeschafft" werden. Zu erst musste ja der Mist von Hand geladen werden, dann erst kam das Gespann - vom Hof zum Acker - zum Einsatz. Dort ging es für das Gespann dann ja immer nur "Stückweise" voran, während der Bauer / Knecht(e) laufend neben dem Wagen herlaufend, den Mist abhacken mussten.
    Wenn nun auf solch einen kleinen Wagen wohl kaum mehr wie 1 - 1 1/2 Tonnen gut verrotteter, fetter Mist aufgeladen werden konnten, so hatte man - bei nur zwei Fuhren am Tag immerhin 4 bis 6 Tonnen Material per Hand zu bewegen.


    Versucht's mal ... ;)


    Es ließe sich wohl eine ganze (wissentschaftliche) Abhandlung, allein nur über die verschiedenen Bauarten und Baumuster landwirtschaftlicher Wagen vorbeschriebener Art erstellen, ohne die unzähligen anderen, seinerzeit schon serienmäßig hergestellten Pritschenwagen für die gewerbliche Fuhrwirtschaft und die ebenso unzähligen Sondermodelle für die einzelnen Berufsgattungen wie Bäcker-, Krämer-, oder Viehhändlerwagen auch nur im geringsten zu berücksichtigen ...


    Na ja, vielleicht nimmt sich ja irgend jemand, irgend wann einmal diesem Thema an, und versucht zumindest einmal diesen kleinen und doch ausschweifenden Teil der rollenden entwicklung der Menschheit ein wenig zusammen zu fassen ... :whistling:

  • danke hippo, klasse was da alles da ist an Info :thumbsup:

    Quote

    Es ließe sich wohl eine ganze (wissentschaftliche) Abhandlung, allein nur über die verschiedenen Bauarten und Baumuster landwirtschaftlicher Wagen vorbeschriebener Art erstellen,


    hast ja schon mal angefangen, weiter so!

    "Aber ich kann nicht so tun, als wüsste ich nicht von dem Leid der Menschen, die hier Zuflucht suchen." Sarah Connor, 15.10.2015


    "Wenn ein Fremdling bei Euch wohnt in Eurem Lande, den sollt Ihr nicht bedrücken. Er soll bei Euch wohnen wie ein Einheimischer unter Euch, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst." 3.Buch Mose