Halfterfragen

  • Tag auch!


    Ich habe zwei Dexter-Kalbinnen, die ich seit zwei Monaten "zähme". Sie kamen mit 8 bzw. 9 Monaten zu mir.
    Habe mir Kettenhalfter besorgt und übe das Anlegen. Wenn ich es nun um habe (die Kuh ist noch am Halsband angebunden), halte ich es am Ring für den Strick. Kuh ist davon wenig begeistert und steht zwar mitunter ruhig. Wenn der Kopf aber wackelt und zieht, rucke ich an der Kette und sage "Nein". Lasse gleich wieder locker, streichle dauernd und gebe manchmal eine Kartoffel. Soweit richtig?
    Trotzdem stört sie das ungewohnte Ding natürlich. Soll ich es mal länger dranlassen, ohne daß sie daran einen Strick hat? Würde sich vermutlich schuppern und es loswerden wollen. Die Kette ums Maul bleibt eigentlich auch nur unter Zug in der Form, sonst wird sie ja weiter und könnte doch abrutschen? (Habe sie schon eigens verkürzt, aber sie hat ja Spiel.)
    Wo kann man was lesen zu der Arbeit, die Tiere an ein Halfter zu gewöhnen?


    Die Tiere kamen aus einer Freilandherde, also wenig Mensch. Nun sind sie zwar aufgeschlossen, kommen auch auf der Weide gern zu mir und lecken die Schuhe, aber sie schrecken doch oft zurück, und auch im Stall am Strick versuchen sie eher auszuweichen, wenn ich kraulen will. Sind also keine verschmusten "Schafe". Problematisch oder "normal"?


    Beste Grüße!
    Abspann

  • willkommen :D

    Wenn ich es nun um habe (die Kuh ist noch am Halsband angebunden)


    Du hast das Kettenhalfter um und die Kuh das Halsband? das wird nichts :huh:;)


    Wo kann man was lesen zu der Arbeit, die Tiere an ein Halfter zu gewöhnen?

    da weiß ich nichts; aber Dein Weg hört sich so falsch nicht an; das Halfter mal eine Weile drauflassen funktioniert nur, wenn sie es nicht runterschubbern können, sonst geht der Trick nach hinten los; mein Weg wäre sie anzuhängen und zu bürsten, regelmäßig, jeden Tag, mit oder ohne Leckerli, Hauptsache sie lernen das Halfter als "nicht diskussionsfähig" kennen


    aus einer Freilandherde in dem Alter find ich das Verhalten nicht ungewöhnlich, es bleibt Deiner Initiative überlassen, sie davon zu überzeugen, daß Bürsten gut tut (sollte jetzt beim Wechsel ins Sommerfell ganz gut funktionieren)

  • Hallo,
    ich bin grad im selben Stadium mit 3 jungen Vogelsberger Rindern. Haben sie vor 4 Wochen von der Herde reingeholt, allerdings mit altem menschenbezogenen Ochsen dabei. Gehe jeden Tag morgens und abends füttern, bleibe etwas dabei, habe sie beinah jeden Tag gebürstet. Auch geschoren am Hintern. Nun lege ich öfters die Rinderstricke an, wir haben nichts anderes. Das lassen sie sich gefallen und das zahmste ging gestern mit bis zur Stalltür mit (dauerte ca. 1/2 h) und heute kam sie schon nach draussen. Habe immer etwas zum belohnen, Aepfel oder Dickwurz. Putzen ist meiner ansicht nach auch das beste zur gewöhnung. Nächster Schritt waere morgen rausfuehren und dann dort putzen. Gruesse, Mascha

  • Hallo Abspann und Masch!
    Hört sich beides gut an, stimme Susis Rat voll zu.


    Achtung: Kettenhalfter wachsen schnell ein, auch wenn sie locker passen und Spiel haben! Vor allem unterm Kinn kann das unbemerkt passieren. Ich würde Halfter grundsätzlich nicht ´dranlassen, wenn es nicht unbedingt nötig ist. Halfter dranmachen gehört mit zum training. Mit Leckerlie machen sie es schnell gerne. Wenn es doch nötig ist: ständig rundum kontrollieren!

  • So, der Leitkuh kann ich das Halfter jetzt ohne viel Zappelei umlegen (wenn sie am Halsband angebunden ist!). Binde sie danach für einige Minuten am Halfter fest; damit ist sie nun vertraut.
    Was macht man nun als nächstes? Sie sind halt nicht lammfromm, vor allem immer zum Erschrecken bereit. Wenn ich nun demnächst ans Halfter meinen Strick bände und weiter nichts sie hielte, wäre ich sie wohl beim nächsten dummen Zufall los... Sie kennt ja noch keine Kommandos.
    Erst steht sie vielleicht, weil sie es noch nicht gemerkt hat. Will sie dann aber irgendwo hin und das Seil strafft sich, dann wird sie wohl meine Armkraft sofort herausfordern, und aus dem Gezerre wird sofort ein Gezappel, und das wars. Oder?

  • spätestens jetzt können die Rinder die Kommandos "Steh!" für ruhig stehenbleiben und "Ho!" für halt stehenbleiben lernen.
    Ruhig stehenbleiben müssen sie um gebürstet zu werden, und da am besten an den Stellen wo sie selber nicht hinkommen -> gutes Argument beim Lernen von "Steh!"
    wenn sie "Angebunden" kennt, müßte sie auch wissen, daß der Strick nicht diskussionsfähig ist (sprich es hilft kein Zappeln und Zerren - der blöde Strick gibt nicht nach)

    "Aber ich kann nicht so tun, als wüsste ich nicht von dem Leid der Menschen, die hier Zuflucht suchen." Sarah Connor, 15.10.2015


    "Wenn ein Fremdling bei Euch wohnt in Eurem Lande, den sollt Ihr nicht bedrücken. Er soll bei Euch wohnen wie ein Einheimischer unter Euch, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst." 3.Buch Mose

  • Das dumme ist, daß sie mir noch nicht freudig entgegensttreben, sondern eigentlich immer lieber ein paar Schritte weg wären. Im Stall ist der Strick oft ganz gespannt, wenn ich an ihnen dran bin.
    Die kleinere hat den Kopf meist am Boden, wenn ich mich mit ihr beschäftige, und sucht immer max. Abstand. Es scheint mir eher eine "Furcht vor dem Leittier" (mir) zu sein, zumal sie in den letzten Wochen mehrfach vermöbelt wurde von ihrer Schwester.
    Da hätte ich gern noch mehr Entspannung drin, denn sie ziehen halt am Strick, und dem kann ich nicht widerstehen...
    Hoffe, daß das Halfter eine stärkere Wirkung besitzt durch die Einschnürung der Kinnkette bei Zug. Aber ob sie dadurch ruhig bleiben?

  • Wenn ich Dich richtig verstehe sind die Tiere immer im Stall angebunden.
    D.h. Die Tiere lassen sich nur das Halfter um machen, weil sie nicht weg können? Wenn sie frei im Stall laufen könnten oder einen Auslauf hätten oder eine Weide, würdest Du sie nur von hinten sehen, weil sie eigentlich noch ANgst vor Dir haben?

    Führversuche haben nur Sinn, wenn man entweder stärker ist, oder die Tiere gerne bei einem sind.
    Ansonsten lernen sie dabei nur, daß man mit Strick abhauen kann.


    Ein schärferes Halfter bringt auch nicht viel: Wenn Sie Angst haben, hilft Euch "mehr Druck" oder Schmerz nicht weiter. Die Angst wird dann eher noch größer und damit steigt auch die "Fliehkraft".


    Das sind genau die Probleme, wegen derer man lieber mit kleinen Kälbern anfangen sollte als mit Halbstarken. Insbesondere wenn man noch nicht so viel Erfahrung hat.


    So bleibt Dir nur: Vertrauen aufbauen, weiter Bürsten und streicheln und vielleicht kann ihnen auch mal ein Möhrchen oder ein Stück Brot helfen, sich zu überwinden.

  • Hallo Abspann!


    Für mich hat es sich bei pubertären oder bereits ausgewachsenen scheuen Rindern bewährt, ihnen erst frei ein paar Kommandos beizubringen und erst danach mit dem Halftertraining anzufangen.


    Zuerst gewöhne ich sie an mich. (So, dass ich bei ihnen stehen kann. Anfassen geht meistens noch nicht)


    Dann bringe ich ihnen ihren Namen bei. Immer wenn ich am Stall oder der Weide vorbeikomme, rufe ich den Namen und wenn das richtige Tier kommt, kriegt es einen Apfel. Wenn das klappt rufe ich es, gehe ein paar Meter weiter und rufe es erneut. Kommt es wieder, kriegt es wieder etwas. Das mache ich dann pro Treffen 3-4 Mal.


    Als nächstes übe ich "Links". Ich rufe das Tier wie gehabt zu mir, stelle mich links daneben und gehe dann rückwärts auf Hüfthöhe. Zeige ihm den Apfel, und drehe so rückwärts, dass es eine enge Linkswendung macht. Für jeden Schritt, den es links geht, oder gehen soll, sage ich links, links, links, ... im Rhythmus der gewünschten Bewegung. Wenn es aufhören soll, stoppe ich meine Bewegung, sage hoo. Und dann gibt^s wieder nen Apfel. Dann gehe ich wieder ein paar Meter weg, rufe wieder seinen Namen, lasse es wieder links drehen, Belohne es wieder und gehe weg. D.h. Ich übe nur 5 Minuten/ Äpfel lang.


    Wenn sie etwas frech und übermütig werden, (was ein gutes Zeichen ist weil sie die Angst verloren haben), übe ich mit ihnen rückwärtsgehen. So kann ich ruhig u bestimmt die Rangfolge herstellen und sie trotzdem für etwas loben. Fürs Rückwärtsgehen ticke ich mit dem Gertenknauf jeweils das Vorderbein an, das zurück bewegt werden soll und sage dazu "zurück". (Manchmal reicht es auch die Gerte nur pendeln zu lassen, oder leicht auf den Boden zu ticken. Ich könnte mir vorstellen, dass deine Dexter das ganz flink machen!) Macht es einen Schritt zurück, ticke das andere Bein an, sage wieder "zurück." Und dann fein, fein, (Oder was immer dein Stimmlob sein soll) - und Apfel.
    Dann gehe ich wieder ein paar Meter weg, rufe den Namen, lasse es links drehen. Gebe ihm etwas, gehe ein paar Meter weg, rufe den Namen, lasse es nochmal rückwärts gehen, belohne es und gehe weg. Wieder fertig trainiert.


    Ich übe also superkurz, aber bei jeder Begegnung.
    Wenn ich zur Tür rein will, oder wenn sie mir im Laufe des Tages irgendwo im Weg stehen, lasse ich sie auch immer rückwärts gehen und lobe sie dafür. Immer wenn ich vorbeikomme, oder etwas in ihrem Stall zu tun habe, lasse ich sie eine kleine Aufgabe machen.


    Meistens sind die Tiere völlig begeistert und total aus dem Häuschen, wenn sie verstanden haben, wie sie an den Apfel kommen. In der Regel machen sie nach dem ersten Mal "Loben und Weggehen" eine "Spielaufforderung". Schnauben, werfen den Kopf etwas zurück und kommen nachgerannt. Dann renne ich mit ihnen zusammen 5-10 Meter. Sage "Hoo", stoppe aus dem rennen, lobe sie, lasse sie links drehen und renne erneut 5-10 Meter. Das macht grossen Spass und klappt ca. 5-10 Minuten.


    Ich finde, dass sie so mit wenig Aufwand sehr begeistert und schnell lernen. (Dauert vielleicht 2 Wochen)


    Erst wenn sie das alles können - und richtig etwas von mir erwarten wenn sie mich sehen, fange ich mit dem Halftertraining an.
    Das ist dann 1000 mal einfacher, weil sie schon mitkommen WOLLEN!


    Viel Spass mit deinen Mädels!


    Gruss, Anne

    Edited once, last by Anne ().

  • Klasse, Anne, vielen Dank! Das kann ich mir gut vorstellen.


    Wir binden die Tiere in der Dunkelheit an. Morgens nach dem Füttern übe ich mit ihnen, striegele sie, lege das Halfter an (wechsle dabei den Strick vom Halsband). Dann lasse ich sie laufen.
    Im Auslauf suchen sie meist meine Nähe, wenn ich drin stehe, fangen auch schnell an, an der Hose oder am Schuh zu lecken (ist das erlaubt?). Genau, anfassen kaum möglich. Abends locke ich sie an ihre Plätze und schwups, sind sie, bei einem Häppchen, wieder am Strick.


    Leider ist meist etwas Bewegung drin, weil die eine klar die andere "bevormundet". Wenn ich mich der schwächeren zuwende, ist schnell das Leittier dazwischen, folglich ist die schwächere auch scheuer, mißversteht eher meine Gesten usw. Andererseits ist es schon viel wert, mit dem Leittier auszukommen. Wird nur dumm, wenn die schwächere dann auch später zwar in die Nähe kommt, aber den letzten Schritt scheut und man sie dann überrumpeln muß. Kenne das von den Ziegen schon, da hat man mit den letzten "Dusseln" am meisten zu tun. Bloß die überwältigt / überrumpelt man leichter.

  • Hallo Abspann!


    Ich glaub, dann würde ich die, mit der ich gerade nicht übe im Auslauf anbinden - und mit der anderen üben.
    Wenn anbinden schlecht geht, stecke ich mir auf der Weide mit Litze einen Übungsplatz ab.
    Oder man könnte den Auslauf unterteilen, falls er gross genug ist.
    Anlecken usw. ist alles o.k. Sie wollen erstmal ganz genau Deinen Geruch kennenlernen.

  • Moin!


    Habe mich in letzter Zeit bemüht, nach Annes Empfehlungen zu handeln.


    Leider komme ich nicht weit. Die Tiere kommen auch ohne Köder meist heran, lassen mich aber nicht neben sie treten oder berühren. Trotzdem wir täglich zigmal an ihnen vorbeilaufen, in den Zaun steigen, Köder geben.
    Wenn ich solche Köder anbiete, wie Anne beschreibt, geht es schon sehr gut. Die Tiere kennen auch ihre Namen. Allerdings kommen meist beide und drängeln sich. Erstaunlicherweise nimmt die Leitkuh kaum noch Köder an. Nach Kartoffeln schauen beide nicht mal mehr, aber sie läßt sogar frische, saftige Möhrenstücke wieder fallen, Äpfelschalen ebenso, wofür sich ihre Schwester einen abricht. Solange sie aber Fressen (auch aus dem Eimer z. B.), kann ich sie kraulen.
    Weil die eine keine Köder mehr nimmt, schlüpft sie auch nicht mehr durchs Halfter...


    Quote

    Als nächstes übe ich "Links". Ich rufe das Tier wie gehabt zu mir, stelle mich links daneben und gehe dann rückwärts auf Hüfthöhe.

    Kann ich mir nicht vorstellen... Meine zeigen immer mit dem Maul zu mir, die bleiben doch nicht stehen, wenn ich mich bewege, und erst recht nicht an ihre Seite.


    Quote

    Haben sie vor 4 Wochen von der Herde reingeholt, allerdings mit altem menschenbezogenen Ochsen dabei. Gehe jeden Tag morgens und abends füttern, bleibe etwas dabei, habe sie beinah jeden Tag gebürstet. Auch geschoren am Hintern.


    Unglaublich! Meine haben zu der Bürste kein Verhältnis. Als ich es noch, am Strick, versucht hatte, haben sie es nur über sich ergehen lassen, und so über viele Tage! Frei laufend, null Interesse - "Huch, Vorsicht!"


    Komisch. Haben sie nun schon seit Weihnachten so in der Obhut. Sie bleiben scheu und zurückhaltend, obwohl sie nichts Unangenehmes erleiden mußten (soweit wir das merken).
    Können sie noch irgendeine Psychose haben? Oder hat es doch mit der Rasse zu tun? Haben wir auch schon mehrfach gehört...


    Sie leben in einem Auslauf von rund 50 qm mit Offenstall, mitten unter uns, kriegen Heu gereicht, Köstlichkeiten, Ansprache, Kinder tollen um sie herum. Trotzdem sind sie manchmal schreckhaft und spurten mit ihren plumpen Leibern plötzlich los. Auch wenn beide mich bedrängen, weil Sie was futtern möchten, und ich mal eine am Kopf wegdrücke, schrecken sie oft und stieben auseinander. Wenn ich Euch dagegen so höre, dann scheinen andere Kühe nur so auf ihre Menschen zu warten...


    Habt Ihr noch irgebndwelche Einfälle zu meiner Zustandsbeschreibung?


    Beste Grüße!
    Abspann

  • Hallo Abspann!


    Wenn ich welche habe, die mit dem Kopf schlagen, oder zurück springen wenn ich ihnen das Halfter anziehen will, fange ich mit einem Halsriemen mit Klippverschluss an, den ich nur zudrücken muss.


    Wenn Du hingehst und sie angelaufen kommen um sich etwas abzuholen. Wenn Du Dich dann bewegst und ein paar Meter läufst und wieder stehen bleibst, kommen sie dann nach, oder rennen sie weg, sobald Du auch nur das Gewicht verlagerst?


    Wie ist denn eure tägliche Routine?


    Ich glaube ich würde ihnen Halsbänder anziehen und sie zum Füttern und Bürsten anbinden. Wenn auch das Halsbandanziehen sehr umständlich ist, würde ich die Halsbänder ersteinmal dranlassen.

  • Anne, danke der Nachfrage!


    Also, Tagesablauf: Sie stehen nachts in einem Offenstall am Haus, nebeneinander angebunden mit gut einem Meter Strick am Halsband, das sie immer tragen. Morgens füttere ich, dann gehe ich hinein, spreche sie an, nähere mich "anspruchslos", setze mich etwas dazu u.ä., binde sie dann ab. Tagsüber gehe ich mehrmals hinein, mit Möhrenstücken, frisch vor ihren Augen geschnitten. Auf diese Abläufe sind sie schon sehr aufmerksam. Ebenso klappern mit dem Getreideeimer, an den ich sie wenigstens gewöhnen will, damit sie bei Flucht einen guten Grund zur Rückkehr haben.
    Abends locke ich sie mit Möhrenstücken an ihre Plätze, was oft gut geht, wobei sie manchmal das Anbinden vermeiden wollen und dann tricksen. Danach wird gleich wieder gefüttert.


    Ich habe halt nie eine allein bei mir, daher lenken sie einander auch dauernd ab. Jedenfalls komme ich praktisch nicht seitlich neben sie. Sie kommen sozusagen nur, um sich was abzuholen. Ich kraule sie am Kopf, Backen usw. solange sie fressen, danach treten sie aber gleich weg. Sonstwo anfassen geht praktisch nur im Weglaufen oder Vorbeilaufen.


    Wenn ich langer stehen bleibe, kommen sie meist in meine Nähe, schnuppern mich ab und schlecken. Aber auch da, bloß nicht anfassen, schütteln den Kopf.


    Ich mag auch nicht eine mal wegbinden (falls es ginge), denn die Kleine würde noch zappeliger davon, auch mit Angst vor der Großen. Und die Große würde es übelnehmen und vielleicht gar nicht mehr an den Strick gehen.


    Wenn ich sie am Strick habe und z. B. bürste, dann spannt die Große den Strick, bleibt resigiert stehen, bis ich ihr mehr Luft lasse. Die Kleine geht in einem fort unter mir durch, vom linken zum rechten Ende, würde auch treten, wenn es enger würde. Das habe ich wochenlang gemacht, aber sie möchten es nicht lieber.


    Der Großen kann ich das Halfter anlegen, wenn die angebunden ist. Leider rutscht ihr das Kettenhalfter immer schnell ab. Ins neue Gurthalfter kriege ich sie nicht, weil sie die Häppchen dann "doch nicht so" mag. Aber ohne Halfter ist führen doch eh nicht möglich, oder?


    Ach ja, es muß wohl auch mal der Klauenschneider kommen... Aber der ist ja auch kein Zauberer, der die Tiere bändigt. Dem muß ich sie also entweder gefesselt oder "schneidefromm" vorstellen, oder?


    Beste Grüße!
    Abspann

  • Wir haben eine Färse, die auch nicht sehr zahm ist: Effi wurde vor einem Jahr auf der Weide geboren. Wenn sie auf der Weide ist, lässt sie sich auch nur am Kopf anfassen. SIe ist danei aber so verfressen, daß man sie dabei mit Geduld doch ans Halfter bekommt. Sie geht am Halfter mitlerweile ganz brav mit und hört auch schon einiogermaßen auf die Kommandos.
    Sie mag es dabei eher, wenn da etwas mehr Abstand zwischen ihr und uns Menschen beim Führen ist. Sie mag nicht direkt angeschaut werden.
    Putzen findet sie angebunden gerade so OK, sie genießt es nur sehr selten, dann aber habe ich den EIndruck, daß sie sich von dem schönen Gefühl überrumpeln lassen hat.


    Ich respektiere das und denke, bei der Arbeit wird es dann durch Rutine besser.


    Wenn das Kettenhalfter noch nicht passt, kannst Du ein Kälberhalfter am Kopf knüpfen.


    Ich würde dann einfach mal eine angebunden lassen und mit der andern zunächst im geschlossenen Stall versuchen ein paar Schritte zu gehen und dabei Möhrenstückchen geben.

  • Quote

    dann spannt die Große den Strick, bleibt resigiert stehen, bis ich ihr mehr Luft lasse.


    da trainiert sie gerade Dich, sie hat erreicht was sie will
    lockerlassen am Strick nur, wenn sie selbst den Strick entspannt und einen Schritt vorwärts macht oder ihr geht die Geduld aus und sie legt sich hin

    "Aber ich kann nicht so tun, als wüsste ich nicht von dem Leid der Menschen, die hier Zuflucht suchen." Sarah Connor, 15.10.2015


    "Wenn ein Fremdling bei Euch wohnt in Eurem Lande, den sollt Ihr nicht bedrücken. Er soll bei Euch wohnen wie ein Einheimischer unter Euch, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst." 3.Buch Mose

  • Hallo Abspann!


    Was sollen die beiden Damen eigentlich später einmal machen?


    (Entschuldige, falls Du das schon mal geschrieben hast.)


    Manchmal hat man ein Tier, das sich charakterlich nicht für eine bestimmte Aufgabe eignet. Zwar werden sie mit zwei Jahren ruhiger und entspannter, aber der Grundcharakter und das Reaktionstempo bleiben meistens gleich. Aus einem flinken, schreckhaften, schnellen Tier wird kein langsames ruhiges u. umgekehrt.


    Meistens sind die breitgesichtigeren, grobknochigeren Tiere ruhiger als die feingliedrigen, schmalgesichtigen.


    Ob sich die Mühe lohnt, hängt davon ab was man selbst für ein Typ ist und was man von den Tieren erwartet.


    Ich habe bisher noch nicht selbst mit Dexters gearbeitet und auch erst 4 Tiere im Gespann gesehen.
    Zwei waren ruhig u entspannt, zwei jung, schnell und "quite a challenge". Zwischen einzelnen Abstammungslinien kann es gravierende Unterschiede geben. Manche Familien sind ruhig und entspannt, andere nervös und aufgeregt. Manche Tiere sind so überspannt, aufgeregt und hektisch, das sie wenig Spass machen und immer ein Unfallrisiko bleiben. Mit solchen mache ich dann nicht weiter. Gelegentlich laufen sie am Rande mit, aber ich plane sie nicht für Aufgaben ein.
    Wenn es der Platz zulässt, würde ich überlegen noch zwei Kälber (oder ein braves älteres Tier) dazu zu nehmen. Ein halbes Jahr mit allen üben und dann die behalten, die mir am meisten Freude machen. Manche Probleme verschwinden von alleine, andere bleiben. Ich finde es angenehm, wenn ich mit vielen Tieren üben kann. Dann macht mal das eine etwas gut und dann wieder ein anderes. Wenn ein Tier mal eine zeitlang mühsam ist, betrifft es mich nicht so.
    Wenn sich eins gar nicht eignet, mache ich mit ihm nicht weiter, ohne es als "totales Scheitern" empfinden zu müssen. Viele Dinge bringen sich die Tiere auch gegenseitig bei. Für mich hat es sich bewährt, meine Zeit und Gedanken auf mehrere Tiere zu verteilen und mich nicht zu sehr auf ein Tier zu konzentrieren.
    Es baut sich kein Druck auf und wir bleiben alle fröhlich.


    Philippe Kuhlmann hat permanent sowohl brave gut angelernte ältere Tiere, als auch Kälber aus braven Familien zum Verkauf. Er hat Vogesen.
    Gerd Döring hat braves rätisches Grauvieh.
    Vielleicht hat Astrid auch noch ein Deutsches Niederungsrind.


    Es werden an allen Orten permanent Schlachtkälber geboren. Nimm doch zwei dazu und entscheid dich dann.

    Edited once, last by Anne ().

  • Hi,
    wenn ich das so lese, oder sehe wie die Kühe bei den Bauern so sind, merke ich, das die Unterschiede zu den Pferden doch gewaltig sind. Unser Bekannter war neulich alleine, da mußte ich ihn beim Absetzen und Mädchen und Jungs trennen helfen. Das ging nur mit Treiben, und mit dem Fangwagen wurden sie zu den passenden Boxen gebracht. Ich dachte, das liegt daran, daß es zu viele sind und der Bauer zu den einzelnen Tieren icht so eine Beziehung aufbauen kann. Aber da haben andere trotz Bemühungen doch auch einiges zu tun, wie ich hier lese. Warum geht das bei Pferden, die ja reine Fluchttiere sind viel besser? Unsere Stuten haben kein Problem, wenn man sich den Fohlen nähert, putzt (was sie von Anfang an genießen) auch mal am Halfter wegführt. Das ist nicht nur bei unsern so, auch andere Züchter haben solche braven Tiere. Ausreißer gibt es natürlich auch immer wieder, da stellen sich die Stuten vor ihren Fohlen oder "klauen" gar andere.
    Gruß, Harald

  • Hallo Apsann,
    im Netz findest du mit den Suchworten "Die sanfte Methode der Halfterzähmung beim Rind" ein super Verfahren, mit dem unsere Dexter letztlich so zahm geworden sind, daß wir sie den Strick auf der Weide anlegen können. Wir haben den Pferch nur ein paar Wochen benutzt. Die Tiere hatten wir vorher auch am Strick, nur dauerte das Einfangen immer so lange, besonders bei der schreckhaften. Der Pferch brachte dann den Durchbruch. Wie gesagt, danach konnten wir ihnen den Strick so auf der Weide anlegen. Mit Kettenhalfter funktioniert das bei unseren nicht, anscheinend verbinden sie damit nichts gutes.
    Unsere Dexterkühe kommen zwar aus der gleichen Herde und sind etwa gleich alt, aber im Charakter eher Gegenpole: eine ist gelassen und lässt alles mit sich machen, die andere ist so eine Hippelige, schlägt mit dem Kopf. Bei der muss man ständig auf der Hut sein. Mit Zeit und vielen Spaziergängen wurde es besser, weg ist es aber nicht. Die Söhne der beiden Kühe haben deren Wesen geerbt. So wie die Mütter sind, sind auch die Kälber, zumindest bei unseren beiden. Während der ersten Monate hat das mal gewechselt, vielleicht wegen Pubertät? aber jetzt nach dem sie fast zwei Jahre sind, verhalten sie sich genauso. Das Komische ist, am Strick sind sie superbrav und auf der Weide kommt man kaum heran.


    LG Derk-Jan

  • Jeverson schrieb


    Warum geht das bei Pferden, die ja reine Fluchttiere sind viel besser?




    Das kann ich natürlich so nicht stehen lassen!


    wenn man sich den Fohlen nähert, putzt (was sie von Anfang an genießen)



    Das ist der Punkt! Fohlen werden von Anfang an überall angefasst, sind dann von Anfang an auf den Menschen mit geprägt. Kälber von Milchkühen, die von Hand vom Menschen aufgezogen werden, sind auch so zahm.


    Pferde aus Wildpferdeherden (Dülmener Wildfänge z.B.) sind vom Lebenslauf her eher vergleichbar mit den Kälbern oder Fressern aus Mutterkuhherden, von denen hier ja die Rede ist.
    Wie sie haben sie kaum Kontakt zu Menschen gehabt und der erste Kontakt (einfangen) ist ein Negativer. Auch die halb wilden Mütter vermitteln schon, daß Menschen eher zum Fürchten sind.


    Wenn Kälber vom ersten Tag an geputzt, angebunden usw. werden, sind sie genau so zahm wie ebenso behandelte Fohlen. Das sieht man zum Beispiel vielen der Tiere von Anne: die haben ein nahezu unendliches Vertrauen zu Menschen! Dagegen sind viele gerittene oder gefahrenen Pferde die ich kenne echte Angsthasen. Auch unser Ludwig ist ähnlich geprägt. Er ist von seinem 10. -20. Lebenstag mit mir und seiner Mutter auf der grünen Woche gewesen, vorher ahbe ich 3, 4 mal geübt: Für ihn sind Menschen Herdenmitglieder und völlig ungefährlich.
    Andere Tiere, wie unsere Effi, die im Sommer auf der Weide geboren wurden und die in den ersten Wochenn nur wenige Male Menschenkontakt hatten, brauchen später viel länger um das gleiche Vertrauen zum Menschen zu haben.
    Das ist also richtig:

    Ich dachte, das liegt daran, daß es zu viele sind und der Bauer zu den einzelnen Tieren icht so eine Beziehung aufbauen kann