Wiederkauen und Arbeit ?

  • Hallo, zur Zeit bin ich noch ein Theoretiker der erst seine Kühe bekommt, der über sie Bücher liest und nachdenkt. Da kommt es zu Fragen die mir die Bücher oft nicht beantworten können.


    Kühe haben einen natürlichen Rhythmus: Fressen, Wiederkauen, Schlafen und alle 12 Stunden eventuell Milch geben.


    • Wie und wo passt da die Arbeit rein?
    • Begrenzt das die Zeit der leistbaren Arbeit?
    • Falls Ihr Eure Arbeitskühe melkt und täglich anspannt, wann macht Ihr das am Besten?
    • Wie war das früher?
    • oder mache ich mir da über was Sorgen, was egal ist da keiner mehr täglich einspannt?


    Bin gespannt was ihr da an Erfahrungen habt! :)

  • Wie und wo passt da die Arbeit rein?

    zwischen Fressen und Wiederkauen, wiederkauen und wiederkauen, und wiederkauen und schlafen

    Begrenzt das die Zeit der leistbaren Arbeit?

    hmm, nicht in dem 400.-€ Job den meine haben; wenn sie ernsthaft schwer arbeiten müssen kann ich mir das ehr vorstellen
    die Rinder kauen zwar nicht wieder während sie ziehen, aber bei jeder Gelegenheit wo wir anhalten
    andersrum ist für mich das Wiederkauem ein Zeichen für ihre Entspanntheit, in neuen Situationen schau ich immer ob und wann sie anfangen mit wiederkauen, dann weiß, ich daß der Stress raus ist

    Wie war das früher?

    meines Wissens wurden die Mädels 4 Stunden morgens angespannt und dann gewechselt für 4 Std. nachmittag; wobei ich denke wenn Not am Mann war, wurde eine Kuh auch 2x am Tag eingespannt, mit einer langen Mittagspause und auf Kosten der Milchleistung


    keine Sorge, Rinder sagen laut und deutlich wenn sie zu etwas keine Lust oder keine Zeit haben

    "Aber ich kann nicht so tun, als wüsste ich nicht von dem Leid der Menschen, die hier Zuflucht suchen." Sarah Connor, 15.10.2015


    "Wenn ein Fremdling bei Euch wohnt in Eurem Lande, den sollt Ihr nicht bedrücken. Er soll bei Euch wohnen wie ein Einheimischer unter Euch, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst." 3.Buch Mose

  • Wenn man manche amerikanischen Videos ansieht, kauen die Tiere wieder, wo immer sie stehen und (auch) gehen.

  • ich bin immer davon ausgegangen, daß sich Ochsen nicht zum Multitasking eignen nachdem dem Ardo lt. Bauer Klaus auch jedesmal der Gang rausfällt beim Wiederkauen LOL :D
    ach ja, hier geht's ja um Kühe - die können das ;)

    "Aber ich kann nicht so tun, als wüsste ich nicht von dem Leid der Menschen, die hier Zuflucht suchen." Sarah Connor, 15.10.2015


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  • unsere Mutterkühe gehen höchstens 3,5h am Stück z.B vor der Kutsche, also eine nicht zu schwere Arbeit, bei der sie während des Auf- und Absteigens der Gäste wiederkauen können. Beim KArtoffeln häufeln, eine schwere Arbeit, bei der sie nie wiederkäuen, machen wir nach allerspätestens 2h eine Pause, am liebsten wechsel ich die Tiere stündlich oder in noch kürzeren Intervallen aus. Dann nehme ich für z.B. 4h Häufeln 2 angeschirrte Tiere mit zum Acker und binde eines dort an, am besten mit Wasser und so, daß es sich hinlegen kann. DAs Umhängen am Schwengel dauert 1 Minute und ich habe immer ausgeruhte Tiere.


    Stoffwechselstörungen, geblähten Pansen o.ä. hatten wir noch nie.


    Mir wurde letztens von einer Theoretikerin erzählt , daß sie immer wieder in alten Büchern von Ochsen gelesen hätte, die regelmäßig zusammen gebrochen seien, weil sie während des Wiederkäuens zur Arbeit geholt wurden. Hört sich theoretisch zwar plausibel an. Praktisch passiert so ein Unterbrechung aber dauernd. Wie Elke schreibt: wenn die Tiere bei jeder Gelegenheit zwischendurch anfangen Wiederzukäuen. Dann stört man sie ja jedes Mal.
    Außerdem wäre das bei Wildtieren eine echte fehlkonstruktion:m: Der Säbelzahntieger hätte das Ur nur erschrecken zu brauchen, nach wenigen Metern Flucht, wäre es von allein zusammen gebrochen.

  • Mir wurde letztens von einer Theoretikerin erzählt , daß sie immer wieder in alten Büchern von Ochsen gelesen hätte, die regelmäßig zusammen gebrochen seien, weil sie während des Wiederkäuens zur Arbeit geholt wurden.

    1. mich würde die Literatur interessieren; wo hat sie das gelesen?
    2. zusammengebrochen? oder hingelegt? ein Rind was die Schnauze voll hat (egal aus welchem Grund) legt sich hin, Punkt.

    "Aber ich kann nicht so tun, als wüsste ich nicht von dem Leid der Menschen, die hier Zuflucht suchen." Sarah Connor, 15.10.2015


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  • Hallo Hödlgut.
    Deine Fragen zur Nutzung und Arbeit mit Rindern sind sicher allesamt Berechtigt. Allerdings dürfte es wohl um einiges schwerer sein, noch jemanden zu finden, der über die Modalitäten und Umstände eines reinen oder weitgehend mit Ochsen oder - vor allem mit Kühen bewirtschafteten Betriebes kompetent Auskunft geben kann, denn der gebrauch von Zugrindern ist ja schon viel früher zurück gegangen als der von Arbeitspferden. Hier wird wohl in erster Linie noch vorhande Literatur ein wenig Licht ins Dunkel bringen können. Menschen, die noch reell mit Kühen einen Betrieb bewirtschaftet haben, werden wohl heute in einem Alter und evtl. einem gesundheitlichen Zustand sein, daß man sie mit solchen Fragen nur schwer erreichen kann ... ;(


    Dennoch wollen wir versuchen ein paar Antwortmöglichkeiten zu erörtern:

    •Wie und wo passt da die Arbeit rein?


    Ich habe dazu im Pferdekutscher auch schon einmal diese Zeilen geschrieben:


    BETRIEBSLEHRE - v. Dr. Paul Holdefleiss.


    Quote

    Vielfach wird bei (kleinen) Landwirten die Anwendung der Kühe zum Zug nur als Notbehelf angesehen ...
    Es liegt dies vielfach daran, daß man einmal die Kühe für weniger leistungsfähig hält, und dann, daß man andererseits auch glaubt, daß dieselben duch heranziehung zur Arbeit in ihrer Milchleistung geschädigt würden.
    Es hat sich deutlich gezeigt, daß ... die Kühe ganz ausgezeichnete Zugleistungen aufweisen ..... auch vom Holländervieh, wie auch von den Ostfriesen und verschiedenen anderen Milchrassen. .....
    Was den anderen Punkt anbetrifft, daß die Milchleistung der Kühe durch Arbeit herabgesetzt würde, so ist ... nachgewiesen, ..... wo diese zusammen mit einer genügenden, gesunden Ernährung stattfindet, da hat sich stets gezeigt, daß die Milchleistung der Kühe nicht herabgesetzt wird ..., sondern daß der Ertrag an Milchfett, also dem wertvollsten Bestandteile der Milch durch Arbeit eher noch gesteigert wird ..... abgesehen davon, daß bei Arbeitenden Milchkühen ... der Gesundheitszustand sich sehr gut erhält und namentlich die Nachzucht kräftig und gut ausgebildet wird.
    ..... Unter Berücksichtigung all dieser Momente ist die weitere Ausdehnung der Benutzung der Milchkühe zur Arbeit sehr zu wünschen .....


    •Begrenzt das die Zeit der leistbaren Arbeit?


    Ich würde sagen ja -
    - gegenüber der Pferdebespannung.
    Wobei aber auch hier an tragende und führende Stuten andere Maßstäbe anzulegen sind wie an männliche Arbeitstiere.
    Es kommt halt darauf an, was und wie oft und wie viel Du mit deinen Kühen Arbeiten willst.


    In den Arbeitsspitzen wie z.Bspl. bei der Heu- und Getreideernte ?


    Mähen mit dem Pferdegespann, während die Kühe sogleich das Mähgut Zetten, ... Wenden, Schwaden ...
    Getreideernte wird wohl nicht in dem Maße anfallen, und Du wirst wohl auch nicht mit dem Bindemäher Arbeiten und Garben aufstellen etc. ?
    Hier könnte man dann z.Bspl. mit dem Pferdegespann Mist auf die Getreidestoppeln fahren, während ein Kuhgespann (3spännig?) mit dem Mehrschaarpflug diesen unterackert oder den Grubber zieht.
    Möglichkeiten gibt es sicher einige, wobei man aber für jedes arbeitende Gespann auch Personal benötigt ...


    •Falls Ihr Eure Arbeitskühe melkt und täglich anspannt, wann macht Ihr das am Besten?


    Die Fachliteratur beschreibt hier meist die Ausführung in (reinen) Milchviehbetrieben ! - und hält dort ein 3 maliges Melken täglich im 8 Stundenrhytmus für das optimalste. Bei den heutigen, modernen Laufstallhaltungen, wo die Kühe selbst auswählen können, wann sie zu Melken gehen, dürfte eine ähnliche tendenz festellbar sein (?).


    Wie das bei dem angedachten gebrauch deiner Kühe aussehen wird kann man im vorhinaus schlecht sagen. Dir ist ja auch wohl nicht an einer optimierten Milchleistung gelegen, so daß das erzielbare Ergebnis einer möglichst hohen Milch(fett)menge nicht im Vordergrund steht.
    In der Regel wurden hier die Kühe in kleinen Betrieben zwei mal täglich - morgens zwischen 6 und 8 Uhr und vor Abend zwischen 17 und 19 Uhr - in einem etwa 10 - 11 - 12 Stundenrhytmus gemolken. Bei größeren Betrieben wie z. Bspl. auf Guts- und Domänehöfen mit einer intensiven Milchviehwirtschaft und angestellem Schweizer sowie zusätzlichem Melkpersonal und Weidewirtschaft wurde aber durchaus auch schon drei mal täglich Gemolken.


    •Wie war das früher?


    Nun, da "früher" immer alles irgend wie ganz anders war, und uns in vielen Bereichen keine Antworten von Praktikern und Zeitzeugen mehr zur Verfügung stehen, bleibt uns oft nur der Weg der Selbsterfahrung.
    Wobei Fachliteratur und (manchmal zum guten) auch das Internet hilfreich sein kann ...


    •oder mache ich mir da über was Sorgen, was egal ist da keiner mehr täglich einspannt?


    Nein, sicher nicht.
    Denn Du willst ja wieder (deine) Kühe zu spanndiensten einsetzen. Und da ist es schon sinnvoll, sich vorher Gedanken über das ganze "wie" zu machen. Dazu bist Du ja wohl auch hier :)

  • Danke für eure wertvollen Antworten! Diese Fragen haben sich gerade gestellt, als ich beim Lesen des Buches "Kühe verstehen" von Ott auf ähnliche Themen gekommen bin. :)

  • @ Hödlgut:
    Was mich mal grundsätzlich interessieren würde: Warum spielst du überhaupt mit dem Gedanken, deine Kühe anzuspannen ?
    Du machst doch viel mit deinen Pferden und beabsichtigst doch sicher nicht, sie abzuschaffen.

  • Da gibt es mehrere Gründe:


    Wir wollten grundstätzlich schon länger Rinde zurück auf unseren Hof holen. Dabei sind wir durch einen befreudeten Landwirten auf die Murbodnerrasse gekommen.


    In der Baumschule hab ich manchmal da Problem mit den Pferden, dass sie etwas zu schnell gehen und die Noriker für manche Reihenabstände etwas zu breit sind. Da wäre der erste Grund.


    Wir nehmen uns gern Sachen an die kaum mehr wer macht, uns aber für die Zukunft sinnvoll erscheinen - der zweite Grund.


    Ich die Rinde grandios finde und eine möglichst enge Bindung bekommen möchte, das funktioniert über die Arbeit bei den Pferden sehr gut - der dritte Grund.


    Altes Kulturgut erhalten werden sollte!


    Der Kuh gerne ein neues Image geben würde!


    ...


    Wo ich genau die Zeit dazu hernehmen werde kann ich jetzt auch noch nicht sagen, aber ich bin da recht zuversichtlich.

  • Danke für die Antwort.

    Wo ich genau die Zeit dazu hernehmen werde kann ich jetzt auch noch nicht sagen, aber ich bin da recht zuversichtlich.


    Rinder lernen sehr schnell. Soooviel Zeit brauchts also eigentlich nicht. :thumbsup:

  • vielleicht meint der Hödlgut nicht die Rinder ;)
    es gab immer wieder Situationen wo sich der CB vermutlich gefragt hat, wie lang ich noch brauch bis ich kapier was er mir schon die ganze Zeit versucht zu sagen


    das dauert ;(


    hab letzthin mein Handy gesucht, ne halbe Stunde bestimmt; überall, im Stall, draußen, im Auto
    zufällig aus dem Augenwinkel seh ich die Hanna stehen: seit mindestens 20 Minuten hat sie versucht es mir zu zeigen indem sie wie gebannt drauf gestarrt hat, ohne sich zu rühren
    nein, Körpersprache les ich nach wie vor nicht gut

    "Aber ich kann nicht so tun, als wüsste ich nicht von dem Leid der Menschen, die hier Zuflucht suchen." Sarah Connor, 15.10.2015


    "Wenn ein Fremdling bei Euch wohnt in Eurem Lande, den sollt Ihr nicht bedrücken. Er soll bei Euch wohnen wie ein Einheimischer unter Euch, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst." 3.Buch Mose

  • Menschen, die noch reell mit Kühen einen Betrieb bewirtschaftet haben, werden wohl heute in einem Alter und evtl. einem gesundheitlichen Zustand sein, daß man sie mit solchen Fragen nur schwer erreichen kann ...

    Ooch, die sind hier mal vielleicht 15-20 Jahre älter als ich und eigentlich alle noch in guter Verfassung . ;)

  • Ooch, die sind hier mal vielleicht 15-20 Jahre älter als ich und eigentlich alle noch in guter Verfassung .


    Dann sei froh drum, daß Du auf deren Erfahrung- und Wissenschschatz zurückgreifen kannst und/oder konntest. Hier wüsste ich z.Bspl. nur noch einen, der da noch Wissen und Erfahrung weiter geben könnte. Der ist aber inzwischen auch über 80 und eben gesundheitlich nicht mehr so auf der Höhe ... sonst hätte ich ihn vielleicht damals, vor 2 Jahren zum treffen nach Schotten/Michelbach mitgebracht, wenn ich denn hingefahren wäre ... das hätte ihm sicher viel freude bereitet, denn seine Kühe, das war immer sein ganzer Stolz.

  • Hallo Hödlgut!
    Lauter tolle Gründe für die Arbeit mit Zugrindern, fast alle kann ich bestätigen! (Reihenbreite Murbodner und Noriker habe ich keinen direkten Vergleich).
    Viel Erfolg!

  • In diesem Video sieht man zumindest beim zweiten Team, dass die während der gesamten Vorbereitung seeenruhig wiederkauen. DEM Gespann würde ich sogar zutrauen, dass es WÄHREND des Zugs das Wiederkauen nicht unterbricht. :D


    http://www.youtube.com/watch?v=9zlHY7oO-zg