Hörnerprobleme im Kuhumgang , wie bekomme ich das in den Griff

  • Hallo,
    Ich bin neu hier im Forum. Habe versucht hier viel zu lesen und auch schon viele Anregungen mitgenommen.


    Ich komme aus dem Ruhrgebiert und besitze als Hobby, 2 Hinterwälder Rinder, knapp drei J.- "Elsa" - und 10 jahre - "Waltraud" - alt. Waltraud ist ein Hinterwälderzugrind - deswegen der Forumsname! Elsa lebt bei mir seid dem sie 6 Monate ist, ich habe sie sofort enthornen lassen. Waltraud habe ich vor einigen Wochen dazugekauft. Sie hat wunderschöne Hörner, lebte immer alleine mit Ihren Menschen und integriert sich jetzt aber sehr gut in meine Pferde/Pony/Kuh Herde.


    "Waltraud" ist sehr dem Menschen zugewandt, was schon
    auch das erste Problem darstellt, da sie keinen Respekt/Abstand vor dem
    Menschen hat, anders als mein anderes Rind. Sie ist zudem sehr
    empfindlich mit den vielen Fliegen und schlägt heftig mit ihrem Kopf
    danach, wohl nicht wissend, dass sie dort ganz schön breit ist und dem
    Menschen ganz schön gefährlich werden kann. Ich habe einen heiden
    Respekt vor diesen Hörnern. "Elsa"- kann auch von Kindern streicheln und putzen
    lassen im Rahmen der tiergestützten Therapie, ohne das es je Probleme mit Kopfschlagen, anrempeln oder ähnlichen gegeben hätte.


    Ich überlege jetzt, ob ich
    Waltraud enthornen lassen soll, habe zu diesem Thema ( Hörner beim
    Fahren und im Umgang) jedoch noch nichts gefunden. Ich muss betonen dass
    ich Kuhanfänger bin, Elsa habe ich jetzt seid gut 2 Jahren, Waltraud ist
    die erste gehörnte Kuh, mit der ich direkten Kontakt habe und die
    Heftigkeit der Kopfbewegungen erschrickt mich schon sehr. Dem
    Vorbesitzer waren diese auch nicht ganz geheuer, wir hatten viel
    Fliegenspray verwendet bevor wir probegefahren waren.



    Das Einzige, was sich bisher zu diesem Therma gefunden habe ist jemand,
    welcher mit einem Fliegennetz die Kuh fährt, aber Waltraud würde sich
    mit den Hörnern nur im Netz verfangen - vermute ich -. Nun ist die
    Fliegenzeit ja bald vorbei bis zum nächsten Frühjahr.


    Hat hier jemand eine Idee, Link oder ähnliches wie ich besser mit den Hörnern umgehen kann, bzw. gibt es jemanden welcher das gleiche Problem vielleicht schon erfolgreich gelöst hat? Interessant wäre es auch mehr über den Gebrauch der Hörner zu wissen - den Film hierzu, aus der Schweiz, habe ich mir im Forum angesehen - vielleicht kennt jemand ein gutes Buch oder einen Link hierzu?


    Ich würde mich sehr über einen Hinweis freuen :)
    das Hinterwälderzugrind

  • Hallo


    Wie genau ist sie denn frech? Also mit stossen? Ich nehme an, dass du ja wahrscheinlich auch eine Gerte/ Peitsche/ Stock hast. Den darfst du am Anfang ruhig einsetzen! Nur mit deiner Kraft wirst du da wahrscheinlich nicht einmal gegen einen Hinterwälder...;-)
    Meine Lösung ist auch Fliegendecke.


    Lg

  • Hallo Lola,
    Waltraud ist nicht wirklich frech, dass heißt sie setzt die Hörner nicht als Waffe gegen den Menschen ein oder will mich boxen. Ich glaube, sie weiß gar nicht wie breit sie ist. Sie lebte die ganzen Jahre alleine im Stall und wurde nur zum Fahren aus der Box geholt, das Futter konnte von außen in die Box gegeben werden. Sie wehrt heftig die Fliegen ab, sie nimmt nicht rücksicht darauf, ob ich neben ihr stehe, beim zurückommen des Kopfes nach dem sie die Fliegen vertrieben hat kann sie einen schon mal an der Seite mit den Hörnern streifen. Neben ihr herzulaufen empfinde ich aus dem Grund gefährlich/ich muss mich höllisch dabei konzentrieren micht getroffen zu werden.


    Im täglichen Umgang hält sie keinen Abstand dem Menschen gegenüber, dass heißt sie rennt einen über den Haufen. Sicherlich habe ich einen Stock dabei und setze ihn auch ein, um mir Respekt zu verschaffen. Dabei habe ich aber die Sorge, dass ich damit die Beziehung zu ihr nicht gerade fördere. Kann das sein? Für einen Kuherfahrenen vielleicht eine dumme Frage.


    Könnten die Hörner im Fliegennetz nicht hängen bleiben?


    lg

  • Fliegennetz: also in der fliegendecke kann sie sich kaum verhängen, denn diese Löcher sind so klein. Was in deinem Fall sicher auch etwas gutes wäre, ist eine Fliegenmaske ( müsste man die Fliegenmaske von Pferden um nähen) oder die Kuh und Hörner freundliche Lösung, Fliegenfansen. Du kennst das sicher von den Pferden;-) Und natürlich Fliegenspray. Aber bald wirds ja wieder kälter, dann siehts auch wieder besser. Wenn ich dich wäre, würde ich möglichst nah an ihr laufen, so das sie dich spürt. Und wenn sie dann doch noch mit dem Kopf umsich schüttelt, wirklich mal eine knallen. So hart es auch tönt! Aber die Kuh die neben ihr stehen würde, würde ihr auch mit den Hörner oder eben mit dem Kopf eine rein hauen. Aber wenn dann also richtig. Lieber einmal richtig als 100x fein.


    Gib ihr einfach Zeit, euch Zeit, um euch kennen zu lernen. Wenn sie einfach in dich reinlaufen will, würde ich ihr entgegen laufen, bzw. sogar etw scheuen, da sie ja mit Menschen sehr vertraut ist. Vlt würde das ja nützen...?


    Ich denke nicht, dass diese Sachen eure Beziehung kränken würde.



    Darf man fragen, wie der tägliche Ablauf so ist? Auch wie du das Training, oder was du auch immer machste gestaltest?



    Grüsse


    Lola

  • Sicherlich habe ich einen Stock dabei und setze ihn auch ein, um mir Respekt zu verschaffen. Dabei habe ich aber die Sorge, dass ich damit die Beziehung zu ihr nicht gerade fördere.

    meine sind behornt weil wir auch mit Stirnjoch arbeiten
    deshalb hab ich versucht von Anfang an ihnen beizubringen, daß sie mit den Hörnern aufpassen müssen wenn ich in der Nähe bin.
    dabei schlag ich nicht das Rind sondern laß das Horn gegen meinen Stock knallen. Die Hörner sind nicht gefühllos, ich stell mir das wie meinen Fingernagel vor und die Rinder wissen auf den cm genau wo sich ihre Hornspitze gerade befindet - sie treffen ja die Fliege die sie meinen.
    ich würde behaupten wollen, daß das recht gut (nein nicht zu 100%) klappt.


    ja auch wir haben Chemie und Netz an Bord 8)

    "Aber ich kann nicht so tun, als wüsste ich nicht von dem Leid der Menschen, die hier Zuflucht suchen." Sarah Connor, 15.10.2015


    "Wenn ein Fremdling bei Euch wohnt in Eurem Lande, den sollt Ihr nicht bedrücken. Er soll bei Euch wohnen wie ein Einheimischer unter Euch, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst." 3.Buch Mose

  • Mit Hörner habe ich so gut wie keine Erfahrung... Aber das was marieclaire sagte, stimmt schon.

  • Danke euch beiden für die Hinweise.
    Das Ihr auch Chemie und Netz verwendet beruhigt mich. Eine Kopfmaske ist hier wohl nicht notwendig, da die kleinen Plagegeister nicht am Kopf sind, sondern eher unter dem Bauch, an den Beinen und an den Seiten. Aber danke für den Tipp - stelle ich mir aber lustig vor :) . Wobei in dem Falle das Aussehen ja egal ist, wenn es nur hilft.


    Es kam die Frage, was ich mit den Tier mache. Also, die erste Zeit habe ich damit verbracht immer wieder in den Auslauf zu gehen, sie zu streicheln, habe das Halfter aufgezogen - war schwierig wegen der Kopfschlagerei und meinem heiden Respekt vor den Hörnern - und kleine Gänge auf dem Hof unternommen - dabei lag der Schwerpunkt auf losgehen, langsam gehen und anhalten , anbinden am Putzplatz, putzen, abwaschen (Igitt!!!), einsprühen mit Fliegenspray (Igittigitt!!!) und ähnliche eigentlich ganz normale Dinge. Bei einem neuen Tier muss man sich ja auch erst herantasten und gegenseitig kennenlernen. Wir sind dann auch mal probehalber auf dem Fußgängerweg der vielbefahreren Staße hinter meinem Grundstück gelaufen (Ich wohne im Ruhrgebiet direkt an zwei stark befahrenen Straßen, kann aber nach 50 Metern in den ersten Feldweg abbiegen) und konnten feststellen, das Waltraud Autos, LKW, Fahrradfahrer und CO herzlichst wenig interessierten. Dann musste ich leider zur Kniespiegelung ins Krankenhaus und konnte - und kann auch noch nicht , wegen zur Zeit nur erlaubten Teilbelastung, das Tier nicht weiterarbeiten. Diese Zeit habe ich dazugenutzt Waltraud mit der restlichen Herde vertraut zu machen, was sich nicht als das Problem darstellte. Es ist zu keinem Unfall gekommen, ich musste noch nicht einmal Eingreifen da alle auf der Weide viel Platz zum Ausweichen hatten. Die beiden Rinder leben jetzt zusammen in einem großen Unterstand und kommen tagsüber mit den Pferden auf die Weide. Waltraud musste noch den Weg von der Weide zum Unterstand lernen, auf Zuruf kommen klappte von Anfang an wunderbar dank der ersten Woche Beziehungsarbeit, sie macht das sogar besser als mein anderes Rind. Jetzt wo ich mit der Gehbehinderung zu kämpfen habe und meine Freunde zum Teil die Versorgung der Tiere übernehmen müssen ist das respektlose Verhalten für mich natürlich schwieriger zu händeln.


    Danke für den Tipp die Hörner gegen den Stock schlagen zu lassen, werde ich ausprobieren. Wenn man die Tiere im täglichen Umgang sieht, dann ist es richtig, das die nicht zart beseitet sind um sich Respekt zu verschaffen. Ich werde also beruhigter, konsequenter handeln, danke auch für diesen Hinweis. Warscheinlich ist es auch mein innerer Schweinehund - was kann alles mit den Hörnern passieren, sie hat mich und meine Helfer schon ein paar mal getroffen - der mich blockiert. Es ist ja das erste Mal, dass ich mit einem Hörnertier so engen Kontakt habe.


    Grüße aus dem Kohlenpott
    vom Hinterwälderzugrind

  • Als es in vielen Dörfern Land auf, Land ab noch üblich war, die brünstige Kuh zum (gemeindeeigenen) Bullen zu bringen, bedurfte es auch allenthalben der zuhilfenahme einer "handfesten Führhilfe" ... !
    Und diese "handfeste Führhilfe" bestand hierzulande aus ca. 5-6 cm dicken, 60-80 cm langen Holzknüppeln, z. Bspl. aus Haselnuß, Schlehe (Schwarzdorn) oder sonstigem "abfallholz" aus der Hecke oder aus zu bruch gegangenen Besen-, oder Schippenstielen, welche am Griffende durchbohrt, und mit einer Kordel oder einem Riemchen am Handgelenk gegen verlieren (hinfallen) gesichert waren.
    Aber auch stählernes Wasserleitungsrohr wurde von dem einen oder anderen :S hierzu verwendet.
    Denn wenn 500-600 Kg (brünstige !) Kuh sich wirklich Eigenwillens in Bewegung setzen (will), dann bedarf es eben auch handfester Überzeugungsarbeit, dieses Ansinnen in geordnete Bahnen zu lenken bzw. zu halten, sonst hängen 80 Kg Bauer neben / hinten dran, wie das srichwörtliche "Fähnchen im Wind".


    Mit diesem mehr oder weniger intensiven "beklopfen der Hörner" wurden die Kühe wohl mehr abgelenkt als beruhigt !


    Manchesmal war dieses beklopfen allerdings auch nicht (mehr) ausreichend, um die 50 - 100 - 200 - 300 ... Meter bis zum Deckbullenstall geordnet und gefahrlos zurückzulegen. Dann hat es auch hin und wieder durchaus heftige(re) Stockschläge auf den Schädelknocken gegeben, zumal es sich ja dann - in etwas späteren Jahren - auch meist um Kühe gehandelt hat, die nur noch einmal pro Jahr - nämlich zum Bedecken - aus den Stall herausgekommen sind.


    Brünstig-, und im freien ... Hurraa, jetzt geht's rund ... :whistling:


    Nur - hatte die Kuh meist nicht die Rechnung mit der "Führhilfe" gemacht. Oder der Bauer nicht mit dem Willen der (brünstigen) Kuh ... ;)


    Wie auch immer ...
    Oft -, meistens wohl sogar ist es gut gegangen.
    Es wird aber wohl auch tragische Unglücksfälle bei diesen Vorgängen gegeben haben. Ob auf dem Weg zum- oder beim Bullen selbst ... :cursing:

  • Dein Beitrag in allen Ehren, aber ich habe noch NIE Probleme gehabt, eine einzelne brünstige Kuh, die ausserhalb der Brunst sicher halfterführig ist, auch während der Brunst sicher zu führen. Probleme kann es mit zwei Tieren geben, weil eine von Beiden versucht die Andere zu bespringen.


    Allerdings käme ich ebenfalls NIE auf die Idee, eine, auch nicht brünstige Kuh ans Halfter zu nehmen, wenn sie, z.B. wegen einer Schlechtwetterperiode, länger als 4-5 Tage im Stall gestanden hat. Da gehört dann vor dem Einspannen oder auch nur am Halfter führen eine "Austob-Runde" auf der Weide hinter dem Stall zwingend "vorgeschaltet".

  • äh, ja
    und da waren dann noch die "Urlaub auf dem Bauernhof Touristen" die dem Landwirt diese Arbeit (mit der stierigen Kuh zum Bullen) abnehmen wollten; sie kamen nicht wieder und es wurde spät und später; in dunkler Nacht endlich brachten sie die Kuh heim; natürlich wollte der Landwirt wissen, wo sie denn so lange abgeblieben waren: " zum Bullen hinfinden ins Nachbardorf war kein Problem, das haben wir schnell geschafft, aber die Kuh dann auf den Rücken legen..."

    "Aber ich kann nicht so tun, als wüsste ich nicht von dem Leid der Menschen, die hier Zuflucht suchen." Sarah Connor, 15.10.2015


    "Wenn ein Fremdling bei Euch wohnt in Eurem Lande, den sollt Ihr nicht bedrücken. Er soll bei Euch wohnen wie ein Einheimischer unter Euch, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst." 3.Buch Mose

  • Was das "Hornproblem" angeht:


    Meine Tiere haben im Sommer ja "Urlaub". Aber wenn ich sie im Sommer einspanne, gehört eine vorherige Behandlung mit einem einschlägigen Fliegenmittel der pharmazeutischen Industrie zwingend dazu. Und dann hatte ich auch noch nie Probleme.


    Eine allvierwöchentliche Behandlung mit dem Mittel hilft auch, das Problem zu mindern. DAS habe ich aber erst registriert, als ich mal den Unterschied (in der Fliegenbelästigung) zu unbehandelten Rindern bewusst wahrgenommen habe.

  • aber die Kuh dann auf den Rücken legen..."



    Das kommt davon, wenn wann diesbezüglich zu wenig Phantasie hat. ;-)


    Aber DAS ist wieder ein ganz anderes Thema.

  • Dein Beitrag in allen Ehren, aber ich habe noch NIE Probleme gehabt, eine einzelne brünstige Kuh, die ausserhalb der Brunst sicher halfterführig ist, auch während der Brunst sicher zu führen.
    Allerdings käme ich ebenfalls NIE auf die Idee, eine, auch nicht brünstige Kuh ans Halfter zu nehmen, wenn sie, z.B. wegen einer Schlechtwetterperiode, länger als 4-5 Tage im Stall gestanden hat.


    Nun, darin lag ja auch der sprichwörtliche "Hase im Pfeffer".
    Weder waren diese (späteren 1970er-1980er Jahre) Kühe wirklich Halfter (Kettenzaum) führig, noch hatten sie die möglichkeit (bekommen) sich vor dem Ausflug ... austoben zu können.
    Ich gehe aber mal davon aus, daß es in anderen Gegenden, in anderen Dörfern nicht wesentlich anders war, daß die "Milchkühe" aus dem Anbindestall, wenn sie brünstig waren, gezäumt, abgebunden, aus dem Stall und zum Bullen geführt, gedeckt und wieder nach Hause in ihren Anbindestall geführt wurden, wo sie angebunden bis zum nächsten (ähnlichen) Termin verweilen durften.
    Weideaufenthalt während der Weideperiode für Milchkühe war hier nur in ausgesprochenen Grünlandlagen wie z.Bspl. in Mittelgebirgsregionen Vogelsberg, Spessart, Taunus, Rhön, .... üblich - sofern genügend Weideland vorhanden !


    ... und sollte ja eigentlich auch nur ein kleiner Ausflug / Hinweis zum Thema: "Hörnerklopfen" sein, denn sonst geht's zu weit vom eigentlichen Thema weg ... :huh: